Tag 42

19/Apr/2011

Heute sprangen mir bei der Internet-Recherche zwei Wirtschaftsmeldungen ins Auge: Erstens steht Griechenland vor der Umschuldung und zweitens droht den USA der Verlust des AAA-Ratings bei Standard & Poor’s.

Die Umschuldung Griechenlands bedeutet nichts weniger, als dass dieses Land eingestehen muss, seine Schulden trotz Hilfe von IMF und EU nicht bezahlen zu können. „Es ist nicht mehr die Frage, ob wir das machen, sondern nur noch wann.“ wird ein griechischer Minister in der „Welt“ zitiert. Laut dem griechischen Notenbankchef hätte solch ein Schritt „katastrophale Folgen“ und auch EU-Ratspräsident Herman van Rompuy meinte in einem Interview: „Das Ergebnis einer Umschuldung könnte wirklich katastrophal ausfallen.“ Dennoch habe Griechenland laut einem Medienbericht bereits um einen solchen Schritt gebeten. Die diesbezüglichen Gespräche dürften im Juni beginnen.

Die zweite wirtschaftliche Hiobsbotschaft betrifft die USA. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte gestern Zweifel an deren Kreditwürdigkeit geäußert und gewarnt, dem Land die Bestnote „AAA“ zu entziehen. Die S&P-Analysten senkten den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit von „stabil“ auf „negativ“. Diese Nachricht hatte ein Beben an den globalen Finanzmärkten ausgelöst, alle Börsen der Welt schlossen von gestern auf heute im Minus. „Die Schuldenkrise droht nach Europa nun auch die USA zu erfassen“ lese ich im „Standard-Online“ heute und die „Süddeutsche“ schreibt: „Die drohende Herabstufung der USA ist der bislang schwerwiegendste Beleg für das Schuldenchaos, in dem nun weite Teile der Welt stecken.“

Ich halte diese Meldung deswegen für sensationell, weil die US-amerikanischen Ratingagenturen noch nie zuvor offiziell Kritik an ihrem eigenen Land geübt hatten. Sie waren bisher immer schnell zur Hand, andere Länder in ihrer Benotung herabzustufen, doch nie die USA selbst. Zu groß und zu mächtig ist die Wirtschaft der USA, als dass daran offiziell gezweifelt werden dürfte. Nun ist es endlich so weit, der Tabubruch ist erfolgt. Dementsprechend heftig waren die Reaktionen an den Weltbörsen. Auch der Ölpreis ist gesunken, ein untrügliches Anzeichen für eine beginnende Krise.

Abseits von diesen beiden Nachrichten lese ich heute, dass die britische Regierung im Rahmen der letzten Volkszählung auch den „Glücksindex“ abfragen ließ, den Well-Being-Index WBI. Das entspricht der unbestreitbaren Tatsache, dass das persönliche Lebensglück nicht abhängig vom Wirtschaftswachstum ist. Nun wissen wir unter anderem, dass sich 49 Prozent der Briten als erfolgreich einstufen, ein Wert, der mit zunehmendem Alter abnimmt. Der WBI wurde von Gallup und Healthways aus den USA entwickelt, wo „the pursuit of happiness“ sogar in der Verfassung steht. In Bhutan wird das „Bruttonationalglück“ bereits seit den 1970er-Jahren gemessen und stellt dort seit damals das wichtigste Entwicklungsziel des Landes dar.

Schon während meines Studiums vor gut zwanzig Jahren haben wir uns damit beschäftigt, Alternativen zur Messung von reinem Wirtschaftswachstum zu finden. Sind die Kosten eines Autounfalls wirklich Teil des allgemeinen Wohlstands? Wenn es uns nun langsam gelingt, Alternativen zum BIP zu entwicklen, dann sind wir meiner Ansicht nach auf dem richtigen Weg.  Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Horrormeldungen bleibt uns wahrscheinlich auch gar nichts mehr anderes übrig. Wir haben zu erkennen, dass wir mit dem Fetisch Wachstum auf dem Holzweg sind. Geldmaximierung macht nicht glücklich.

Advertisements
%d Bloggern gefällt das: