Tag 34

11/Apr/2011

Heute ist 8 Ahau im Tzolkin und Tag 34 der universalen Unterwelt. Wir befinden uns noch zwei Tage lang in der ersten Nacht der neunten Stufe, danach folgt der zweite Tag, der Dienstag der universalen Unterwelt. Montagnacht ist bald vorbei. In der Elfenbeinküste scheint der Bürgerkrieg mit der heutigen Festnahme des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo entschieden. Ein Land, das vom Machtkampf zweier Männer tief gespalten scheint, kann sich nun auf den demokratischen Weg des Friedens begeben. Dieser Erfolg wurde auch mithilfe der Truppen der UNO und Frankreichs gegen den expliziten Widerspruch der Afrikanischen Union möglich. Wenigstens waren die westlichen Truppen an der direkten Festnahme nicht beteiligt.

Die Afrikanische Union führt zur Zeit auch Verhandlungen zur Beendigung des Bürgerkriegs in Libyen. Den Meldungen von heute Abend zufolge könnte eine indirekte Einigung zwischen dem Gaddafi-Regime und den Rebellen sowie ein Waffenstillstand in Sicht sein. Entscheidend wird der Kampf um die Forderung eines Rücktritts von Muammar al Gaddafi sein. Ich frage mich nur, wie ein solcher Rücktritt aussehen sollte, schließlich bekleidet Gaddafi kein offizielles Regierungsamt.

Die Unruhen in Nordafrika führen zu massiven Flüchtlingsströmen Richtung Italien, was zu schweren Differenzen zwischen den EU-Innenministern führt. Italien verlangt von Europa Solidarität im Umgang mit den Flüchtlingen, Deutschland und Frankreich wollen die Grenzen dicht machen. Ich prognostiziere, dass sich dieser Konflikt in den nächsten Wochen verschärfen und Europa somit in die nordafrikanischen Unruhen hineingezogen wird. Wir werden uns der Tatsache stellen müssen, dass wir in einer gemeinsamen Welt leben, so schmerzlich diese Erkenntnis auch sein mag. Europa und Nordamerika haben bisher von der Globalisierung einseitig profitiert, jetzt beginnt sich das Blatt zu wenden. Wir werden einen Preis zu zahlen haben für unser bisheriges Vorgehen.

Als ich vor genau zwanzig Jahren als Entwicklungshelfer in Ecuador arbeitete, da erkannte ich, welche Politik Europa betreibt. Auf der einen Seite propagierten die Industrieländer Nordamerikas und Europas den weltweiten freien Handel, auf der anderen Seite stellten sie schon damals genau dort Zoll- und Handelsbarrieren auf, wo die restliche Welt konkurrenzfähig gewesen wäre, nämlich in der Landwirtschaft. Und so werden heute sogar subventionierte europäische Lebensmittel nach Afrika exportiert und ruinieren dort die gewachsenen Strukturen, während die Güter des Primärsektors aus aller Welt mit Schutzzöllen bedacht werden, um die europäischen Bauern nicht zu vergrämen. Die Hälfte des Budgets der Europäischen Union fließt zu diesem Zweck seit Jahrzehnten in die Landwirtschaft.

Jetzt schlägt die Welt zurück. Die Flüchtlingsboote Richtung Lampedusa sind erst ein Anfang. Wir werden die Konsequenzen unserer Haltung zu tragen haben. Der Druckkochtopf ist am Explodieren. Willkommen in der universalen Unterwelt!

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