Tag 25

02/Apr/2011

Heute ist Samstag und es ist fünf Uhr früh. Ich kann nicht schlafen und habe mich an den Laptop gesetzt. Im Hintergrund höre ich „Jersey Girl“ in der Live-Version von Bruce Springsteen und Tom Waits und erinnere mich an das Springsteen-Konzert im Happel-Stadion, das ich mit meiner Liebsten vor zwei Jahren besucht habe. Ich höre das Lied immer und immer wieder und warte auf den Sonnenaufgang. Ein neuer Tag beginnt bei den Maya nicht zu Mitternacht, sondern erst mit Sonnenaufgang.

Vor dem Schlafengehen habe ich noch gelesen, dass es in der Elfenbeinküste laut Berichten des Internationalen Roten Kreuzes alleine am gestrigen Tag mehr als 800 Tote gab. Als ich im Bett lag und mich von einer Seite auf die andere wälzte, rechnete ich mir aus, dass es im Zweiten Weltkrieg 25.000 Tote pro Tag gegeben hatte. 25.000 ist auch die Zahl, die man erhält, wenn man sich den Tagesverdienst von Ackermann, Löscher und Winterkorn ausrechnet, von denen ich letztens geschrieben habe.

Die Zeit für Revolutionen ist reif, wenn „die unten nicht mehr wollen und die oben nicht mehr können“, meint Vladimir Iljitsch Uljanov Lenin. Wir haben diese Zeit erreicht. Die da oben können nicht mehr und ich will nicht mehr. Und ich bin nicht alleine. Gestern wurde bekannt, dass Ernst Strasser in seiner Eigenschaft als Lobbyist für die Tiroler Wasserkraftwerke bei Josef Pröll erfolgreich eine Gesetzesänderung durchgebracht und für diesbezügliche Beratungsgespräche ein Stundenhonorar von 450 Euro verrechnet hatte. Pro Tag sind das 10.800 Euro. Da muss er sich noch anstrengen, der Strasser Ernstl, wenn er mit Ackermann, Löscher und Winterkorn mithalten will.

Die Staatspartei ÖVP ist nach den Affären der letzten Zeit in der Wählergunst laut neuesten Umfragen auf 23 Prozent abgestürzt. Und der Parteichef liegt im Spital. Der hat den Beginn der universalen Unterwelt nicht verkraftet, genauso wenig wie seine Partei. Das System Schüssel ist gescheitert. Schwarz-Blau hat sich noch im Nachhinein als Katastrophe entpuppt. Jörg Haiders Ex-Sekretär wird wegen Geldwäsche angeklagt, weil sein Chef zwei Russen die österreichische Staatsbürgerschaft um zwei Millionen Euro verkauft hatte, und wenn der Jörgl noch lebte, dann säße er jetzt mit ihm vor dem Kadi.

Wann ist die kritische Masse erreicht, die für eine Revolution notwendig ist? Wenn das Fass voll ist, dann genügt ein Tropfen. In Tunesien war es die Selbstverbrennung eines Gemüsehändlers, in Ägypten der Tod von Khaled Said in Polizeihaft. In Österreich wird es soweit sein, wenn der kleine Mann um sein Sparbuch fürchten muss, wenn die Pensionsvorsorge nichts mehr taugt. In diesem Land hat es noch nie eine erfolgreiche Revolution gegeben. Doch das könnte sich ändern. Gestern habe ich meiner Bank einen Besuch abgestattet. Und als ich dem Filialleiter vom drohenden Staatsbankrott der USA erzählte, da nickte er zustimmend und meinte: „Da kommt ein Tsunami auf uns zu.“

Es geht ja nicht um den Mayakalender alleine. Vor Kurzem habe ich auf Facebook einen Artikel entdeckt. Es ist ein Interview der oberösterreichischen Bezirksrundschau mit dem Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann. Ich zitiere den Beginn:
BezirksRundschau: Wann, wie und wodurch wird das Geld verschwinden?

Franz Hörmann: Noch heuer durch den kompletten Staatsbankrott. Wenn sowohl die Vereinigten Staaten als auch die größten europäischen Länder nicht einmal noch die Zinsen auf die Staatsschuld bezahlen können, ist das die Definition des Staatsbankrotts. Das hat unmittelbar zur Konsequenz, dass sämtliche Staatsanleihen, die ja als Deckung des Geldes gelten, wertlos sind. Damit ist dann auch das Geld wertlos. Das ist eine einfache Sache und passiert mathematisch zwingend in diesem Jahr.

Das ist ganz genau das Szenario, das ich mir für Ende August erwarte. Auch in Deutschland wird die Spekulation gegen das eigene Land bereits in Betracht gezogen. Und wenn selbst mein Filialleiter im biederen Döbling diese Möglichkeit nicht mehr ausschließt, dann ist Feuer am Dach. Mit einem mal wird das Geld wertlos sein. Und was dann passiert, entscheidet über die Zukunft der Menschheit. Fällt der Strom aus? Werden keine Lebensmittel mehr angeboten? Gibt es keinen Treibstoff mehr? Bricht die Gesundheitsversorgung zusammen? Explodiert ein Atomkraftwerk?

Ich habe eine Vision. Wenn es wahr ist, dass die universale Unterwelt ganzheitlich erleuchtet ist, dann machen wir einfach weiter so wie bisher, zahlen aber einfach nicht. Wir gehen weiter arbeiten, wir kaufen weiter ein, wir unternehmen weiter unsere Reisen. Wir telefonieren, sitzen am Computer und gehen auf einen Kaffee. Und wir brauchen kein Geld mehr dafür. Wir sagen einfach „Bitte“ und „Danke“, geben anderen, was wir können und nehmen uns, was wir brauchen. Die Vögel beginnen zu zwitschern und die Sonne geht auf.

Und jetzt ist es hell geworden.

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