Tag 24

01/Apr/2011

Heute ist der erste April. Der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler ist von der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller als Eröffungsredner der Salzburger Festspiele zuerst ein- und danach unter dubiosen Umständen wieder ausgeladen worden. Ziegler vermutet, die Schweizer Großsponsoren der Festspiele hätten Druck auf die Politikerin ausgeübt, Burgstaller verneint das. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack und nun wollen ihn die Grünen als Redner einer Gegenveranstaltung einladen. Ich habe Jean Ziegler vor zwölf Jahren im Zuge der Proteste gegen die Schwarz-Blaue Regierungsbildung kennengelernt und bin von ihm begeistert. Er hat sich im Laufe seines Lebens anscheinend viele Feinde gemacht, in mir hat er jedoch einen politischen Freund. Ich hoffe, er redet in Salzburg und erhält die ihm gebührende Aufmerksamkeit.

Der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste spitzt sich zu, Muammar al Gaddafi verliert nach seinem Außenminister noch ein paar hohe Beamte und die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im März gesunken. Doch jetzt will ich über den praktischen Nutzen des Mayakalenders schreiben:

Ich hatte vom Kalendersystem der Maya nur geringfügige Ahnung, als mir Carl Callemans Buch „Der Mayakalender und die Transformation des Bewusstseins“ in die Hände fiel. Ich wusste nur, dass die antiken Maya einen Kalender hatten, der am 21.12.2012 enden würde. Ich wusste inzwischen auch, dass dieses Datum mit einer einmaligen kosmischen Konstellation zusammenfällt, der Konjunktion des Milchstraßenzentrums mit der Sonne. Zur Wintersonnenwende nächsten Jahres wird das schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße von der Erde aus betrachtet ganz genau hinter der Sonne stehen und somit die gesamte Milchstraße den Himmel über uns bedecken. Dieses einmalige energetische Ereignis faszinierte mich bereits, als ich beim Stöbern in einem esoterischen Buchladen auf Callemans Buch stieß.

Ich weiß nicht mehr, warum es mir auffiel, wahrscheinlich war es der Titel mit dem Wort „Bewusstsein“. Ich setzte mich hin und schmökerte es durch. Und da wurde ich von Minute zu Minute gefesselter. Calleman schrieb von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs genauso wie von den monotheistischen Religionen, von der Unabhängigkeit Indiens wie vom Zusammenbruch des Römischen Reiches. Zum Schluß nahm ich mir noch die Zeit, den Anhang „Die Zyklen der Wirtschaft“ durchzulesen. Und da stieß ich auf die Tatsache, dass Calleman die Weltwirtschaftskrise von 2008 bereits im Jahr 2003 vorausgesagt hatte. Das war Anlass genug, dieses Buch zu kaufen.

Das Lesen dieses Werkes begeisterte mich aufs Äußerste. Die letzten 5000 Jahre Menschheitsgeschichte wurden mithilfe des Mayakalenders zu einer vollkommen verständlichen Entwicklung. Alles, was auf der Welt geschah, hatte in dieser Analyse Platz. Und plötzlich wurde all das, was wir getrennt zu betrachten gewohnt waren, zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Doch nicht nur weit zurückliegende Ereignisse wurden mir klar, auch die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit erschienen auf einmal in einem ganz neuen Licht.

Ich begriff plötzlich, warum solche Irrationalismen wie die Bush-Regierung auf globaler Ebene, Schwarz-Blau in Österreich, Christoph Blocher in der Schweiz, Silvio Berlusconi in Italien oder die Kaczynski-Zwillinge in Polen auftraten und sich an der Macht halten konnten. Die achte Stufe des Mayakalenders, die von Calleman so genannte galaktische Unterwelt, die das universale Yin förderte, hatte seit 1999 dafür gesorgt, dass sich Skurillitäten aller Art in der Welt tummelten. Es ging nicht länger um Vernunft, die galaktische Unterwelt war ganz im Gegenteil Spielwiese für das Irrationale und Intuitive. Auch die endlich erfolgte Emanzipation der Frau und der Aufstieg Chinas als Supermacht des Ostens erschienen damit in einem größeren Zusammenhang. Und zu guter letzt wurde verständlich, warum gerade der Islam – als Religion der kosmischen Nacht – seit der Jahrtausendwende solch einen gewaltigen Aufstieg in medialer und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit und globaler Bedeutung erreichen konnte.

Neben dem neu gewonnenen Verständnis für politische Zusammenhänge war die Beschäftigung mit dem Mayakalender dann auch von ganz praktischem Nutzen für mich. Calleman hatte in einem seiner Artikel nach der Weltwirtschaftskrise in der fünften Nacht der galaktischen Unterwelt vorausgesagt, dass es in der sechsten Nacht ab November 2009 zu massiven Währungsturbulenzen kommen würde. Ich hatte zu dieser Zeit zur Finanzierung meines Engagements als Tankstellenpächter bereits einen endfälligen Fremdwährungskredit in Schweizer Franken aufgenommen gehabt. Nun überlegte ich einige Zeit lang, was diese Prognose für mich persönlich bedeuten könnte.

Ich analysierte die geographische und wirtschaftliche Lage der sechsten Nacht mithilfe des Mayakalenders und kam zu folgendem Schluss: Der Zinssatz bleibt niedrig und der Schweizer Franken wird steigen. So konvertierte ich noch vor Eintreten der sechsten Nacht meinen gesamten Kredit vom Franken zurück in den Euro. Die Prognose traf in sensationeller Weise ein: Der Franken stieg gegenüber dem Euro inzwischen um gut 20 Prozent und ich habe mir bis zum heutigen Tag mehr als 11.000 Euro an Kosten erspart. Diese Entscheidung entpuppte sich somit als die finanziell beste meines Lebens.

Während ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis mit meiner Begeisterung für den Mayakalender anfangs nur mitleidig belächelt wurde, haben sich die diesbezüglichen Verhältnisse aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre inzwischen gewandelt. Der misstrauische Spott ist einem faszinierten Erstaunen gewichen. Die Zugriffe auf mein Weblog steigen rapide an und im Mai bin ich nach Berlin eingeladen, um dort ein Seminar über den Mayakalender zu halten. Dieser ist nicht länger ein Beschäftigungsfeld für verrückte Spinner, sondern wird von Tag zu Tag mehr ein faszinierendes Instrument zur Analyse unserer Zeit.

Was das Alles für die nahe Zukunft bedeutet, habe ich in diesem Tagebuch bereits öfters formuliert. Ende August bricht das herrschende materielle System, der globale Kapitalismus, in sich zusammen. Ich habe alle meine Entscheidungen darauf ausgerichtet. Und ich ermutige alle Anderen, dasselbe zu tun.

2 Antworten to “Tag 24”

  1. Maci Says:

    Fundstück

    Jean Zieglers nicht-gehaltene Rede anlässlich der Salzburger Festspiele 2011 kann jetzt nachgelesen werden:

    http://www.facebook.com/ecowinverlag


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: