Tag 12

20/Mrz/2011

Heute ist Sonntag. Das Wochenende stand im Zeichen der Luftangriffe gegen Libyen. Das libysche Regime spricht von vielen zivilen Toten, während die USA, Großbritannien und Frankreich die Effizienz der Einsätze loben. Der Generalsekretär der Arabischen Liga hat die Angriffe kritisiert. Der Vormarsch der libyschen Armee auf Bengazi wurde gestoppt.

In Sachsen-Anhalt fand eine Landtagswahl statt, der ÖVP-Europaabgeordnete Ernst Strasser trat zurück und in Tokio ist das Trinkwasser radioaktiv verseucht, außerdem die Milch und der Spinat aus der Region Fukushima. Lindsey Vonn war wütend, weil sie den Weltcupsieg im alpinen Schilauf aufgrund der Absage des letzten Rennens um 3 Punkte verpasst hat und in Europa beginnt eine breite Diskussion über eine mögliche nachhaltige Energieversorgung.

Ich war zwei Tage lang auf schamanischem Seminar. Der Schamanismus beschäftigt mich schon seit mehr als zehn Jahren. Langsam kommt diese archaische Heilungsform auch bei uns in Mode, was ganz im Einklang mit dem Mayakalender steht. Die Yin-erleuchtete achte Stufe, die von Calleman so genannte galaktische Unterwelt, die im Jahr 1999 begann, stärkte alle Phänomene jenseits des Rationalen. Und so erlebt auch der Schamanismus bei uns in Europa seit Jahren eine Rennaissance. Ich selbst sehe ihn zur Zeit als schöne Erweiterung meiner Ausbildung in Psychotherapie.

Der Schamanismus ist tausende Jahre alt und weltweit entstanden, die Psychotherapie ist hundert Jahre alt und in Europa entstanden. Die Psychoanalyse ist ein Abbild der schamanischen Trancereisen und der Rorschachtest eine Abwandlung des Lakota-Steinorakels. Dennoch haben mehr Menschen Vorbehalte gegen den Schamanismus als gegen Psychotherapie. Laut Mayakalender liegt das in den Energien der siebten Unterwelt begründet, die seit 1755 alles Spirituelle in den Hintergrund gedrängt hat. Mit der achten Unterwelt erleben die spirituellen Energien seit 1999 eine Wiedergeburt und mit der neunten Unterwelt werden sie seit zwölf Tagen ganzheitlich gefestigt. Auch darauf hoffe ich in diesen Tagen.

Vor einigen Tagen habe ich in der FAZ einen Brief entdeckt. Er stammt von der jungen japanischen Autorin Akira Teruda, die in Tokio lebt. In diesem Brief schreibt sie über ihre jetzige Situation im Angesicht der nuklearen Katastrophe:

„In mir sind Schmerzen und Trauer. Es tut so weh, aber ich habe jetzt keine Angst mehr. Was immer passiert, es liegt nicht mehr in meiner Hand. Ich ergebe mich. Ich muss einfach tun, was notwendig ist, beispielsweise an euch schreiben. Ich kann nun die Schmerzen anderer Menschen wirklich verstehen.

Als die Amerikaner das World Trade Center einstürzen sahen, als die Iraker ihre Stadt von Bomben zerstört sahen, als die Indonesier ihre verwüsteten Strände sahen, als die Chinesen das furchtbare Erdbeben erlebten – all diese Schmerzen in der Geschichte sind auch die Schmerzen aller anderen Menschen. Es sind eure, es sind meine Schmerzen. Es sind unsere Schmerzen. Spürt ihr sie? Es bedeutet, dass wir miteinander verbunden sind. Wir werden auch das Glück miteinander teilen.“

Vielleicht ist dies das Geheimnis der neunten Stufe. In dem Moment, wo beide Gehirnhälften ganzheitlich erleuchtet werden, schwindet die Angst. Wir haben es in Arabien gesehen und sehen es jetzt in Japan. Es gibt im Angesicht des unendlichen Kosmos keine Angst mehr. Wir sind und bleiben sterblich. Doch wir haben keine Angst mehr davor. Und somit sind wir wieder spirituelle Wesen. Wir sind alle eins in Gott. Was immer das auch heißt.

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