Zehnter Tag

18/Mrz/2011

Gestern kurz vor Mitternacht wurden die Ereignisse in Japan als Spitzenmeldung der Nachrichtenseiten verdrängt. Ich saß gerade im Nachtdienst, als ich erfuhr, dass der UN-Sicherheitsrat soeben eine militärische Sanktion gegen Libyen beschlossen hatte. Diese Resolution erlaubt militärische Mittel zur Durchsetzung eines Flugverbots über Libyen und zum Schutz der Zivilbevölkerung, Bodentruppen sind jedoch explizit ausgeschlossen. 10 Mitglieder des Sicherheitsrates, allen voran Frankreich, UK und die USA stimmten dafür, 5 Länder, namentlich Russland, China, Indien, Südafrika und Deutschland enthielten sich der Stimme. Damit war die notwendige Mehrheit von 9 Zustimmungen ohne Veto gegeben. Überraschend war insbesondere, dass sich Russland und vor allem China der Stimme enthielten und somit auf ihr Veto verzichteten.

In der Praxis heißt das, dass es in Kürze zu Luftschlägen gegen das libysche Militär kommen wird. Frankreich kündigt die ersten Einsätze bereits für heute an, die USA wollen ersten Meldungen zufolge noch ein paar Tage zuwarten. Während die libyschen Aufständischen die Entscheidung noch in der Nacht bejubelten, kündigte Revolutionsführer Gaddhafi Vergeltungsschläge gegen westliche Schiffe im Mittelmeer an. Der libysche Bürgerkrieg ist seit heute ein internationaler Konflikt.

Ich habe mich gefragt, wie ich als österreichischer Botschafter oder Außenminister entschieden hätte. Wenn die Mehrheit festgestanden wäre, hätte ich mich vielleicht ebenso wie Deutschland der Stimme enthalten, um ein wenig Spielraum für zusätzliche Diplomatie zu schaffen. Wenn es hingegen auf meine Stimme angekommen wäre, so hätte ich trotz Neutralität selbstverständlich zugestimmt. Der libysche Bürgerkrieg ist bereits ein Krieg und das Vorgehen der Truppen Gaddhafis ist seit Wochen bekannt und nicht zu tolerieren. Es kann nicht sein, dass Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen, von der Armee mit den brutalsten Mitteln umgebracht werden. Wie vor zwölf Jahren im Kosovo geht es auch heute darum, den Schlächtern Einhalt zu gebieten.

Aus diesem Grund überrascht mich, dass Russland und China auf ihr Veto verzichtet haben. Beide Länder sind nämlich in Konflikte mit ihrem eigenen Volk verwickelt, Russland in Tschetschenien sogar gegen einen Volksaufstand. Auch die Tschetschenen kämpfen so wie die libyschen Revolutionäre für ihre Freiheit und auch sie werden von der herrschenden Regierung brutal unterdrückt. Wir werden sehen, was die Entscheidung von heute Nacht für die innerrussischen Konflikte bedeutet.

Mit dem gestrigen Tag hat die erste Welle der neunten Stufe im Mayakalender ihren Höhepunkt erreicht. Ähnlich wie nach Vollmond flaut nun die Energie für die nächsten 2×9 Tage wieder ab, um danach für 2×9 Tage wieder zuzunehmen. Es kann daher sein, dass sich die Geschehnisse in Japan in den nächsten Tagen beruhigen und es zu einer Lösung der Probleme in Fukushima kommt. Auch in Libyen kann es nach dem gestrigen Höhepunkt zu einer Entspannung kommen. Ich bin mir aber nicht sicher, weil daneben der Tzolkin, der spirituelle Tageskalender der Maya, mit seinen 20 Trecenas (13-Tage-Einheiten) weiterläuft. So fließen bis zum 28. Oktober mehrere Tageswellen ineinander. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

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