Achter Tag

16/Mrz/2011

Achter Tag. Die neunte Stufe des Mayakalenders ist jetzt genau eine Woche alt. Es ist unglaublich, was in dieser Woche geschehen ist. Ich glaube, dass in Japan schon jetzt nichts mehr so sein wird wie zuvor. Japan hat eine lange Tradition in Erdbebenbewältigung, aber diese Katastrophe geht über das Normalmaß noch einen Schritt hinaus. Heute hat sich der Kaiser in einer Fernsehansprache an sein Volk zu Wort gemeldet. Klarerweise versuchte er zu beruhigen.

Was mich irritiert, ist die Tendenz der europäischen Eliten, business as usual zu betreiben. Wir haben die Angewohnheit, uns die Umwälzungen in der Welt quasi erste Reihe fußfrei anzusehen und so zu tun, als beträfe uns das alles gar nicht. Tunesien? Ihr Problem. Ägypten? Schön, aber nicht relevant. Libyen? Schade, aber da kann man nichts machen. Japan? Schrecklich, schrecklich, aber Gott sei Dank sehr weit weg. Die Welt ist kleiner geworden und zusammengerückt, aber im Notfall immer noch groß genug, um sich hinter ihrer Größe zu verstecken.

Christina hat letztens gemeint, wir werden wohl nie wieder Fischstäbchen essen können. Jetzt ist das zwar kein besonders großer Verlust, aber doch eine kleine Änderung unserer Gewohnheiten. Langsam, ganz langsam macht sich der Wandel des globalen Bewusstseins auch bei uns bemerkbar. Ich habe keine Lust, auf weitere Katastrophen zu warten, die endlich auch uns selbst betreffen. Ich weiß aber aus Erfahrung, dass wir uns erst ändern werden, wenn die Konsequenzen des status quo schmerzhafter werden als die Konsequenzen des Wandels.

Die universale Unterwelt wird einen solchen Wandel mit sich bringen, da bin ich mir gewiss. Ich hoffe sogar darauf, dass die Änderungen dramatisch werden, hoffe nur gleichzeitig, dass sie für uns nicht lebensbedrohlich sind. So habe ich heute beispielsweise erfahren, dass die Inflation in Österreich im Februar 3 Prozent überschritten hat. Die Geldentwertung ging bisher schleichend voran, ich erwarte, dass sie in den nächsten Monaten dramatisch ansteigen wird.

Gestern habe ich in der NZZ gelesen, dass Josef Ackermann, Peter Löscher und Martin Winterkorn, die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, von Siemens und von Volkswagen, allesamt jeweils mehr als neun Millionen Euro im vergangenen Jahr verdient haben, wobei Winterkorn der Spitzenverdiener aller Manager im DAX ist. Der Vorstand des Investmentbankings der Deutschen Bank, das zum Gewinn des Gesamtinstituts drei Viertel beiträgt, verdient sogar mehr als sein Chef. Ich freue mich, wenn sie am Ende dieses Jahres mehr als zehn Millionen Euro verdient haben werden, sich jedoch darum nichts mehr kaufen werden können.

Ich schmunzle leise in mich hinein, wenn ich gestern im Standard lese, dass sich die Anleger aufgrund der Krise in Japan in „sichere Anlagen“ wie US-Staatsanleihen flüchten. „Sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen…“ Dieses Kartenhaus wird bald in sich zusammenbrechen und das gesamte kapitalistische System unter sich begraben. Und ich bin mir gewiss, dass ein Zusammenbruch des Kapitalismus, den ich aufgrund des Mayakalenders für Ende August erhoffe, die Richtigen treffen wird. Die Verlierer werden Josef Ackermann, Peter Löscher und Martin Winterkorn sein, auch wenn man uns einzureden versucht, dass eine Krise besonders den „kleinen Mann von der Straße“ treffen wird.

Bullshit. Der kleine Mann von der Straße hat ohnehin nichts zu verlieren. Ich zum Beispiel investiere derzeit mein gesamtes Kapital in meine Bildung und Ausbildung. Was habe ich bei einem Zusammenbruch zu verlieren? Ich nehme an dem Pyramidenspiel schon längst nicht mehr teil. Neun Millionen Euro Verdienst pro Jahr. Diese Zahlen sind einfach nur obszön. Das Geheimnis des Kapitals ist, dass es sich dort anhäuft, wo es sich ohnehin schon vorher akkumuliert hat. Im Kapitalismus werden die Reichen zwangsläufig immer reicher. Wer hat, dem wird gegeben. Es wird Zeit, dass dieses System zusammenbricht. Warten wir’s ab. Und leisten wir unseren Beitrag dazu.

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