Vierter Tag

12/Mrz/2011

Tag vier der universalen Unterwelt stand heute weltweit im Zeichen der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima. Dieses AKW konnte aufgrund der Stromausfälle wegen des Erdbebens und des Tsunami nicht mehr ausreichend gekühlt werden und so wurde seit gestern eine Kernschmelze im Reaktor befürchtet. Die genauen Gründe und Folgen der heutigen Explosion sind noch nicht hinreichend bekannt, aber die Befürchtung eines atomaren Super-GAU steht seit heute im Raum. Die Zahl der Opfer des Bebens steht ebenfalls noch nicht fest, mehr als 1.000 Tote sind bestätigt und 10.000 werden vermisst.

Ich habe von der Explosion in Fukushima heute Vormittag in einer Pause des Propädeutikums durch ein SMS erfahren. Diese Nachricht sorgte unter meinen Kollegen selbstverständlich für Entsetzen. Auch meine Facebook-Seiten sind seit gestern voll mit mitfühlenden Meldungen zu den Opfern in Japan. Ich selbst tue mir schwer, persönliches Mitgefühl zu zeigen, weil ich die Menschen dort nicht kenne. Ich war noch nie in Japan und habe keine Freunde dort. Einzig Sasaki Roshi, mein früherer Zen-Meister lebt in Tokio. Aber auch zu ihm habe ich schon lange keinen Kontakt mehr. Demenstprechend gering ist mein persönliches Mitgefühl.

Selbstverständlich habe ich grundsätzliches Mitgefühl mit den Opfern des Bebens, so wie ich Mitgefühl mit den Bebenopfern in Haiti hatte oder mit den verhungernden Kindern im Sahel. Doch ich empfinde weniger Trauer als einen grundsätzlichen Gleichmut dem Endzeitdrama gegenüber. Ich weiss – nicht zuletzt durch Callemans Analyse des Mayakalenders – dass wir uns in einer solchen End- und Übergangszeit befinden und sehe die gewaltigen Phänomene der Zerstörung als notwendige Begleiterscheinung dieser kosmischen Geburtswehen.

Wir sind alle sterblich und müssen diesen Globus irgendwann einmal wieder verlassen. Ich bin sehr dafür, dass dieser Prozess des Lebens möglichst schmerzlos und friedvoll verläuft. Doch um zu solch einem harmonischen Zustand zu gelangen, haben wir anscheinend gewaltige universale Kräfte durchzustehen. Das scheint unser Schicksal auf dieser Erde zu sein. Unser aller persönlicher Beitrag in diesem kosmischen Spiel der Kräfte wird entscheidend für unser aller Schicksal sein. Und so bleibt mir heute nichts anderes übrig, als Mitgefühl zu üben. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion dieser Katastrophe.

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