Die vorweihnachtliche Orientierungslosigkeit

22/Dez/2010

Vor Weihnachten befällt mich immer wieder eine tiefe Orientierungslosigkeit. Die Geburt des Jesus von Nazareth ist mir zu gleichgültig, als dass mich dieses Fest mitreißen könnte. Noch viel weniger mag ich das, was daraus geworden ist: Ein Konsumrausch allererster Güte. Die Nachrichten in der Vorweihnachtszeit beschränken sich strukturell auf die Botschaften des Handels mit seinen Umsatzzahlen. Warum sollte es mich erfreuen, dass in Österreich im Dezember um 4 Prozent mehr ausgegeben wurde als im Vorjahr? Dieses Denken macht mich nur mürbe.

Da freue ich mich, dass ich heute eine neue Übersetzung des Tao Te King im Abverkauf gefunden habe. Das also ist mein Beitrag zum vorweihnachtlichen Geschäftstreiben. Doch auch das Tao Te King gibt mir immer wieder Rätsel auf. Was meint der Typ eigentlich damit? Was meint er mit „Der Weise regiert, indem er nichts tut, dann wird alles beherrscht sein.“ Meint der Faymann und Pröll?

Ich glaube nicht. Faymann und Pröll versuchen jeden möglichen Anschein zu erwecken, etwas zu tun. Warum gibt es in Europa so wenige Menschen, die einfach geschehen lassen können? Warum müssen wir jederzeit Aktivität vorgaukeln? Sei es in der Wirtschaft oder in der Politik, jedermann ist bestrebt, irgendetwas zu tun, anstatt einfach nur zu sein. Warum müssen wir andauernd den Anschein erwecken, zu handeln?

Vielleicht habe ich jetzt diesen einen Satz des Lao Tse doch verstanden. Wer versteht ihn mit mir? Wer ist in der Lage, gerade jetzt aus dem Trubel auszubrechen? Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit nichts zu tun, nichts zu kaufen und nichts zu verkaufen? Einfach nur da sein. Das wäre es.

Zum Abschluss hier noch den Abschluß des Tao Te King in der Übersetzung der  Chao-Hsiu Chen:

81 – Nichts anhäufen

Wahre Worte sind nicht schön.
Schöne Worte sind nicht wahr.
Gute Menschen streiten nicht.
Wer streitet, ist nicht gut.
Der Wissende erlernt nicht alles.
Wer alles erlernt, weiß nichts.

Der Weise hortet nichts.
Je mehr er für andere tut, umso mehr besitzt er.
Je mehr er anderen gibt, umso größer ist sein Überfluss.

Das Tao des Himmels nützt, doch es schadet nicht.
Das Tao des Weisen vollbringt gute Taten,
doch es beansprucht nichts dafür.

God Jul!

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