Der Antisemitismus

31/Aug/2009

Lieber Ariel Muzicant,

gerade sitze ich in meiner Wiener Wohnung vor dem Laptop, es ist Abend und meine Frau fragt mich: „Was machst du jetzt?“ „Ich schreibe dem Ariel Muzicant.“ „Warum?“ „Weil mir der Antisemitismus auf die Nerven geht.“ „Und da schreibst du dem Ariel Muzicant?“ „Ja.“

Lieber Ariel Muzicant, lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich Sie sehr schätze. Ich mag Sie, weil ich Ihre Art mag, Ihre Freundlichkeit, Ihre Intelligenz, Ihren leicht versteckten Witz und Ihre Gelassenheit. Gerade erinnere ich mich an Ihr Interview in Rau-TV, das ich vor einiger Zeit auf Standard-Online gesehen habe. Und da gefielen Sie mir wieder sehr.

Ich weiß nicht viel über Sie, ich weiß, dass Sie Präsident, oder Vorsitzender, oder einfach Chef der IKG in Wien sind. Ich weiß, dass Sie Medizin studiert haben und in der Immobilienbranche ziemlich erfolgreich sind. Ich erinnere mich, dass mir einmal, als ich mit einem Freund über die geplante Tiefgarage unter dem Neuen Markt in Wien sprach, dieser verstohlen zuflüsterte: „Muzicant!“

Ich erinnere mich auch, dass Sie Jörg Haider selig am Aschermittwoch anno 2001 nach Christus in der Rieder Jahnturnhalle mit seinem Krickl-Witz bedachte: „Wenn einer Ariel heisst und so viel Dreck am Stecken hat…“ Ich habe meine Konsequenz gezogen und mich ganz genau deswegen Jörg Haider in den Weg gestellt. Und der Jörgerl Haider ist schlussendlich an mir zerschellt. Ich bekenne: Nicht der Mossad hat Jörg Haider in den Tod getrieben. Nein. Das war ich.

Egal. Warum ich Ihnen heute schreibe, ist die aktuelle Diskussion über das Doppel-Wort „Exil-Jude“, mit dem irgendein Vorarlberger Politiker irgendeinen Vorarlberger Museumsdirektor bezeichnet hat. „Exil-Jude aus Amerika…“ oder so ähnlich, und deswegen soll der sich nicht in seine Wahlplakate einmischen.

Jetzt ist meine politische Einstellung sonnenklar. Ich bin dafür, dass sich alle einmischen, ob sie nun Exil-Juden sind oder Oahoamische, Ostasiaten oder Westdeutsche, Arier oder Hawaiianer mit Kansas-Kenianischem Migrationshintergrund.

Mir geht es nur um ein Wort. Dieses Wort brachten Sie persönlich in die Diskussion, ich glaub im Standard, oder sonst wo. Sie sagten, und ich glaube, ich erinnere mich wörtlich daran: “Dieser Sager ist ganz eindeutig Antisemitismus.“

Zack. Antisemitismus. Antisemitismus. Was soll das sein? Was, um Gottes Christi Himmels Willen, soll Anti-Semitismus sein? Jetzt weiß ich natürlich, dass es seit mindestens hundert, wenn nicht tausend Jahren (und in Wahrheit werden es wohl mehr als drei Jahrtausende sein), ganz wichtige und präzise Abhandlungen zu diesem Terminus gibt. Tausende Bücher sind ganz sicherlich über diesen Begriff geschrieben und Millionen Seiten gefüllt worden. Jeder Mensch scheint zu wissen, oder zumindest vorzugeben zu wissen, was dieser Antisemitismus ist. Also gut:

Wenn es Antisemitismus gibt, dann muss es auch Prosemitismus geben. (Interessanterweise unterstreicht mein Rechtschreibprogramm von Microsoft-Word dieses Wort „Prosemitismus“ jetzt – und jetzt schon wieder, während es das Wort Antisemitismus nicht unterstreicht. Aha. Sehr interessant. Bill Gates manipuliert die Welt. Dieser Jude!)

Also gut: Prosemitismus? Was soll das sein? Nicht mal das Rechtschreibprogramm von Bill Gates kennt das. Da sind anscheinend nicht so viele Bücher darüber geschrieben worden bisher. Um es kurz zu machen: Semiten sind Völker des vorderen Orients, soweit ich weiß. Semiten sind Juden, Araber, Palästinenser, Jordanier, Syrier und was weiß ich noch was alles. Also diese Völker, die aus dem Nahen Osten stammen, aus Babylon, Sumer, Assur und Jerusalem. Vielleicht auch aus Kairo, ich weiß es nicht. Also jedenfalls alle Menschen aus dieser umstrittenen Gegend.

Aber ich habe noch nie gehört, dass irgendein Palästinenser oder Jordanier oder Araber irgendeinem anderen Menschen „Antisemitismus“ vorgeworfen hat, wenn dieser ihm mit der Keule eins übergezogen hat. Nein. Der Vorwurf, und das ist es, ja, es ist ein Vorwurf, der Vorwurf des Antisemitismus kommt – soweit mir bekannt und in der öffentlichen Diskussion stattfindend – immer, immer, immer nur von Juden. Von Juden. Von Juden.

Von Juden. Damit sind wir beim Kern des Problems. Der so genannte Antisemitismus ist natürlich nur ein billiger Trick. In Wahrheit geht es um die Juden. Und um den Judenhass. Wenn wir öffentlich über unsere bescheidenen Nachfahren der arischen Herrenrasse diskutieren, dann sollten wir genau sein. Worum es hier geht, ist ganz einfach: Es geht um Judenhass.

Tja, lieber Ariel Muzicant. Das ist das Problem. In dieser Welt herrscht Judenhass. Zwar nur vereinzelt und versteckt, aber doch, und immer wieder. Vielleicht wirklich seit Abraham und Isaak. In dieser Welt herrscht Judenhass. Ich habe noch nie gehört, dass es Babylonierhass gäbe, oder Palästinenserhass, oder Türkenhass, oder Amerikanerhass oder Europäerhass oder Vorarlbergerhass. Nicht mal Christenhass oder Moslemhass oder Buddhistenhass. Nein.

Judenhass.

Lieber Ariel Muzicant, ich bin auf Ihrer Seite. Ich mag Sie und ich mag den Doron Rabinovici. Ich mag den Bruno Kreisky und den Barack Obama. Gerade heute habe ich mir wieder gedacht: „Wenn mich einer fragen würde, ob ich Jude bin, ich würd gar nicht wissen, was ich antworte.“

Ich weiß bis heute nicht, was das sein soll, ein Jude. „Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.“ Das ist die offizielle Definition. Geht’s noch? „Christ ist, wer eine christliche Mutter hat.“ „Vorarlberger ist, wer eine Vorarlberger Mutter hat.“ „Araber ist, wer eine arabische Mutter hat.“ „Buddhist ist, wer eine buddhistische Mutter hat.“

Und Isaak? Hatte Isaak eine jüdische Mutter? Und Ismail nicht? Und Jakob? Warum ist Jakob Jude? War Isaaks Frau Jüdin? Warum? Was machte Isaaks Frau zur Jüdin? Isaaks Mutter war Jüdin, Ismails Mutter war es nicht.

Wir sind auserwählt, ihr seid es nicht: Das ist Rassismus in Reinkultur.

Lieber Ariel Muzicant. Solange sich das Judentum auf so einem Tinnef begründet, solange dürfts euch mit dem Judenhass herumschlagen.

Jude ist, wer beschnitten ist. Viel Spaß damit.

Mit sehr lieben Grüßen, und von Herzen: Shalom!

Peter Wurm

9 Antworten to “Der Antisemitismus”

  1. Michael Says:

    Prosemitismus gibt es wirklich, nur heißt er Philosemitismus.

    Der Grund, warum man zwischen Antisemitismus und Antijudaismus unterscheidet ist, dass Juden gleichzeitig eine Religion und ein Volk sind. Unter Antijudaismus versteht eine religiöse Judenfeindschaft. Wenn z.B. im Mittelalter ein Jude zum Christentum konvertierte, war er kein Jude mehr, sondern Christ.

    Ab der ca. zweiten Hälfte des 19. Jhdt. gab es dann aber den Antisemitismus. So war es z.B. im Nationalsozialismus egal, ob jemand mit jüdischer Abstammung katholisch war. Antisemitismus bezieht sich ausschließlich auf Juden und hat mit Araber nichts zu tun, auch wenn diese Semiten sind.

    Die Regelung „Jude ist wer eine jüdische Mutter hat“ ist alte jüdische Tradition und kommt wohl daher, dass man früher (und auch heute🙂 ) nie so sicher sein konnte, wer denn der Vater ist.


    • anti ist dagegen, wer für etwas ist, ist nicht unbedingt gegen etwas anderes. doch wenn ich mich als auserwählte gruppe oder volk sehe, fürchte ich, dass andere, die sich als auserwählt sehen gegen mich stellen könnten, so muss ich alle, die nicht sehen wollen das „ich“ auserwählt bin als ANTI bezeichnen. Das ist die Tragik von Auserwählten Menschen oder Völkern. So gibt es viele Juden, die leiden unter dieser Vorstellung, und es gibt Scharfmacher die machen die Juden für alles verantwortlich, was natürlich nicht stimmt, sondern es waren immer Wenige, meinstens Menschen nur mit nicht gelebten Glauben, die Menschen manipulieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Und was sind diese Interessen wirklich?


      • ….auch dies, der Welt Probleem ist es,

        wofuer
        Jesus sich opfern musste. …
        .ist es die Liebe,

        die die Welt noch nicht erkennen will?.

        doch ich denk: es beginnt gar schon zu tagen…..!

        /!

  2. Judith-Elis Says:

    …ein orthodoxer Jude sich nennend,
    sagte unlangs in einen Intervieu:

    „Jude ist, wer nach der Tora lebt und moechte auch mit allen Menschen in der ganzen Welt in Frieden leben!“


    • das ist richtig, und wie jetzt eine jüdische familie gegenüber iranern verkündete, sie wollen keine atombomben auf den iran werfen, haben nach nur zwei tagen 56 millionen internetbenutzer dem zugestimmt, hier sieht man, die macht der netze, die durch die freigabe von informationen einen wissenstand erreichen, die menschen, die begrenzen und begrenzen müssen, nie erreichen können.


  3. …denn Jesus von Nazareth,, Euer/unser Bruder lehrte/las die Tora im Tempel und Synagoge….

    …darum sind besonders auch alle orthodoxen Brueder und Schwestern herzlich eingeladen: (mit uns,
    -eine 3/4 woechentlich stattfindene Bibelstundengruppe-)
    die Worte Jesus in
    „Matthaeus 6“,

    zu lesen und zu Herzen zu nehmen zu wollen!….

    Morgen, Donnerstag, 9:30 bis 11:15, kommen wir wieder
    „zur Auslegung von Gottes Wort“, zusammen!

    -Herzliche Einladung dazu- im Geiste dabei zu sein! .


    • Es geht nicht um Juden oder Christen oder Moslems, es geht um Aufklärung= OFFEN und BAR also nackt machen, hier ein Versuch, die Lügen die wir schlucken sollen zu hinterfragen:

      Sehr geehrter Herr Kleber!

      Ihr Interview Ahmadinejad im größten deutschen TV-Sender – ‚Wir lieben die Deutschen. Ja, ziemlich stark‘.flv http://www.youtube.com/watch?v=35zflcwAY8g&feature=endscreen weist an der Stelle 7.50 Minuten nach, dass Sie die korrigierte Fassung des ZDF noch nicht benutzen. Sondern sagten das der iranische Präsident gesagt haben soll: DIESES LAND WIRD VON DER LANDKARTE VERSCHWINDEN Was Georg Schramm hier aufgedeckt hat, eine bewusste Falschübersetzung: Georg Schramm – Ahmadinejad-Rede http://www.youtube.com/watch?v=_Eg0w1Uv550 1.08-1.17 Minuten. Schramm versicherte dass Markus Schächter innerhalb des ZDF diese Lüge gestrichen hat, an der Stelle 1.36-1.44 Minuten und in die offizielle Version verwandelt wurde, die Ihnen auch der Iranische Präsident genannt hat: DAS BESATZUNGSREGIME ISRAEL MUSS GESCHICHTE WERDEN. Ist Schächter deshalb jetzt nach 10 Jahren vom ZDF verabschiedet worden? Gewiss nicht, denn Georg Schramm bezog sich ja auf das Kriegsvorhaben 2006 von George W. Bush gegen den Iran, der nur gestoppt wurde, weil die CIA ihm n den Rücken gefallen war und meinte, es könne im Iran kein Bau einer Atombombe nachgewiesen werden. Sind also die Kontrolleure die von Europa aus den Iran kontrollieren wollen glaubwürdig? Oder müssen sie denen folgen, die auch unseren Bundespräsidenen mit fadenscheinigen Gründen zum Rückzug gezwungen haben, so wie das durch die FAZ vom 27.8.2011 verdeutlicht wird, Christian Wulff hat die Banken frontal angegriffen: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/bundespraesident-wulff-in-lindau-donnerhall-am-bodensee-11126151.html. Na und wer sind den die geheimen Imperatoren, die Benedict XVI. in seiner UNO-Rede vom 18.4.2008 kritisierte, die sich die Welt unter den Nagel reißen wollen, oder wie es der Papst ausdrückte: „(Johannes Paul II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis, Nr. 43), die vom Subsidiaritätsprinzip inspiriert und geleitet und daher in der Lage sein muß, durch effiziente internationale Regeln und durch die Bereitstellung von Strukturen, die es vermögen, den harmonischen Ablauf des Alltagslebens der Völker sicherzustellen, auf die Bedürfnisse der Menschheitsfamilie zu antworten. Das ist um so nötiger in der heutigen Welt, wo man das offensichtliche Paradox eines multilateralen Konsenses erfährt, der sich weiter in der Krise befindet, weil er den Entscheidungen einiger weniger untergeordnet ist, während die Probleme der Welt von seiten der internationalen Gemeinschaft Interventionen in Form gemeinsamer Aktionen erfordern.“ http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2008/april/documents/hf_ben-xvi_spe_20080418_un-visit_ge.html
      Wollen Sie nicht das Spiel sehen, was da gespielt wird auf Kosten manipulierbarer unwissender Menschen? Haben Sie das Gefühl was Sie betreiben, ist seriöser Journalismus, wenn Sie alte Übersetzungslügen immer wiederholen?
      Mit freundlichen Grüßen
      Axel Tigges


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