Zwei tote schwule Juden

02/Aug/2009

Den Online-Medien des heutigen Tages entnehme ich, dass es in Tel Aviv einen mörderischen Anschlag auf ein Schwulenlokal gegeben hat, der auch zu einer aufgeregten Diskussion auf Facebook geführt hat. Andy Gabmeyers Blogeintrag darüber hat mich zu einem Kommentar dazu verleitet:

Heute Nacht sind in Tel Aviv zwei Menschen ermordet worden. Die Getöteten waren schwule Juden. Vielleicht sogar mit schwarzer Hautfarbe. Möglicherweise Diabetiker. Und mit Schweissfüßen. Und so fühlen sich alle, die sich mit einer dieser Gruppen identifizieren, selbst betroffen und kriegen es mit der Angst zu tun.

Ich danke dir für die Erwähnung der schwulen Taliban. Ernst Röhm war ein schwuler Nazi, Adolf Hitler ein vegetarischer. Was machen wir nun? Ist Ernst Röhm nun gut oder böse? Und Adolf Hitler? War Jörg Haider ein besserer Mensch, weil er schwul war? War er ein schlechterer, weil er es heimlich war? Ist uns ein unheimlich schwuler Jörg Haider lieber? So wie Alfons? Oder Brüno?

Izhak Rabin wurde von einem Juden ermordet. War der Mörder Antisemit? Jüdischer Antisemit? Ein heterosexueller jüdischer Antisemit? Wie Bruno Kreisky? Ist Bruno Kreisky deswegen ein Mörder? Ein perverser Mörder? Sind Mörder pervers? Oder nur perverse Mörder? Josef Fritzl will in der Haft Buddhist werden. Bisher war er Christ. Und Niederösterreicher. So wie Wolfgang Priklopil. Sperren niederösterreichische Christen Mädchen in Kellern ein? Oder nur heterosexuelle niederösterreichische Christen? Jesus war übrigens Jude. Ein schwuler Jude? Ein schwuler ermordeter Jude? Mit Schweissfüßen? Und seine Mörder? Juden? Heterosexuelle Juden? Heterosexuelle antisemitische Juden?

Heute Nacht sind in Tel Aviv zwei Menschen getötet worden. In Pakistan waren es sechs. In Winnenden vor Kurzem fünfzehn. Und weltweit stirbt alle vier Sekunden ein Kind.

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11 Antworten to “Zwei tote schwule Juden”

  1. pna Says:

    Es wird – so wie ich das bisher verstanden habe – davon ausgegangen, dass der Überfall auf das schwule Jugendzentrum ein Hassverbrechen war.

    Ich weiß nicht, ob schon mal jemand wegen Schweißfüßen erschossen worden ist, oder weil er Niederösterreicher war. Das Schwule hin und wieder erschossen, an Stacheldrahtzäumen gefesselt sterben oder an Baukränen baumeln, ist weithin bekannt. Daran ändert auch Deine kokette Wortspielerei nichts.

    • Peter Wurm Says:

      Hallo pna!

      Selbstverständlich sind Menschen erschossen worden, weil sie Niederösterreicher waren. In der sowjetischen Besatzungszeit gab es unzählige Gewaltverbrechen gegen niederösterreichische Männer und Frauen. Auch in der tausendjährigen Zeit davor sind einige zu Tode gekommen, weil sie Niederösterreicher sein wollten und nicht Ostmärker aus dem Gau Niederdonau. Frag mal deine Großeltern, wie das damals so war.

      Und was die Schweissfüße betrifft: Auf Facebook gibt es eine Gruppe „I hate socks in sandals!!“ mit derzeit 275.633 Fans. Da ist es zu einem Mord wegen Schweissfüßen gar nicht mal mehr so weit…

      Solange wir in diesen Kategorien denken, wird es immer Mord und Totschlag geben. Und sterben werden wir alle sowieso. Wie die Kinder in Afrika.


  2. eben nicht wie die kinder in afrika! die müssten nämlich nicht sterben, wenn nicht bei uns profitgier die oberste religion wäre. es ist genug an nahrung und medizinischer versorgung auf der welt vorhanden. die verteilung wird verhindert, weil einiege wenige dadurch einen abartigen egoistischen vorteil daraus ziehen.
    aus diesem grund seh gard das mit den kindern ganz anders. die haben WIR HIER auf dem gewissen. die streithanseln, die sich die köpfe einschlagen nicht.

    • Peter Wurm Says:

      Hallo Hannes!

      Ich stimme dir völlig und hundertprozentig zu. So wie Jean Ziegler meint: „Diese Menschen werden ERMORDET!“ Ich frage mich schon die längste Zeit, wie WIR HIER das ändern können. Ich wünsche mir eine Welt, in der die Eltern vor ihren Kindern sterben, und dies in Frieden und im (harmonischen) Einklang mit dieser Welt. Wie können WIR HIER das erreichen?


      • mein persönliche Weg, das hier zu verfolgen ist, dass ich mich bei den grünen engagiere um eine änderung der politischen verhältnisse zu erreichen. ich hab schon jahrelang bei einer jugendorganisation im entwicklungspolitischen bereich gearbeitet, sicher im kleinen einiges erreicht, aber irgendwann festgestellt, dass da mehr passieren muss ausser unmittelbaren aktionen – nämlich eine änderung unserer wirtschaftsehtik und unseres politikverständnisses. das ist eine aufgabe, die sicher mehr als eine generation dauern wird, aber irgendwann muss man anfangen.

        manche dinge dauern, aber besser später eine lösung als ne.

  3. Andy Says:

    @hannes:

    eben nicht wie die kinder in afrika! die müssten nämlich nicht sterben, wenn nicht bei uns profitgier die oberste religion wäre.

    Meinst du die, die sie seit Jahren zeigen, wenn der KH-Böhm wiedermal Spenden sammelt? Die würden auch überleben, wenn sie von den 10% Wüste in Äthiopien in die anderen 90% übersiedeln würden…..
    Im übrigen könntest du ja genausogut deinen PC abstellen, dein iPhone oder sonstiges Elektronikklumpert verkaufen, und trotzdem würde sich nichts ändern 😉

    Naja, das inspiriert mich irgendwie zu einem noch böseren Seitenhieb auf die „Engagierer“


    • das ist dumm. einfach nur dumm. egoisten versteigen sich gern zu so was. das soll ihre faulheit kaschieren.

      auf ähnliche art haben die neoliberalen die letzten 40 jahre in unsere hirne gehämmert: wenn jeder nur den maximalen eigennutz anstrebt, dann ist das gut für alle. das ist doch bloss eine widerliche entschuldigung für gier und nächstenhass.

      lieber andi, was kommt als nächstes? „die blossfuasstn solln doch endlich schweine essen, dann müsstn sie net hungern“ ? könnst an den HC weitersagen, der ist dankbar für so was.

      übrigends, warum regen sich die wiener über den stau und das krankenkassendefizit auf. müssten doch nur auf die tiroler gletscher übersiedeln.

      ich hör jetzt besser auf….

      • Andy Says:

        Das würden sie auch, müssten sie in Wien krepieren.

      • Peter Wurm Says:

        @andy:

        „das würden sie auch, müssten sie in wien krepieren“

        gibts auf dieser welt auch ein bisserl mehr als den nackten überlebenskampf? darum gehts ja, uns menschen eine wahlmöglichkeit unseres handelns zu ermöglichen, ohne das überleben zu gefährden. das halte ich für lebens- und erstrebenswert. und menschenwürdig.

        (aus diesem grund bin ich übrigens für das bedingungslose grundeinkommen. das schafft wahlmöglichkeit, ohne gleich das überleben riskieren zu müssen)

  4. Peter Wurm Says:

    @hannes:

    ich stimme dir schon wieder völlig zu. mein weg ist ein ähnlicher. ich habe nur im laufe meines lebens erkannt, dass ethik und moral völlig sinnlose vorstellungen sind. sie beantworten die frage: „was sollen wir tun?“ wer wäre denn die instanz, das zu beantworten? die entscheidende frage für mich lautet schlicht: „was wollen wir tun?“

  5. Harald Lang Says:

    Zwei Menschen wurden ermordet.
    Vermutlich weil sie nicht den gesellschaftlichen Idealvorstellungen des Mörders entsprachen.
    Zynischerweise könnte man den Mörder als Idealisten bezeichnen.

    Da erhebt sich m. E. doch folgende Frage:
    Wäre unsere Welt ohne Idealisten friedlicher?


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