Die grüne Katastrophe

08/Jun/2009

In allen österreichischen Internet-Foren beschäftigen sich grüne Sympathisanten mit der gestrigen Niederlage. Eine inhaltlich wunderbare Analyse liefert wieder einmal der von mir sehr geschätzte Christoph Chorherr in seinem Blog. Ich habe ihm verzweifelt geantwortet:

Lieber Christoph,

es ist ermutigend, wie klar Du die gestrige Niederlage siehst. Es ist erschütternd, wie alleine Du damit in der grünen Partei bist, wenn ich die offiziellen Kommentare von Glawischnig, Sburny, Lunacek und Vassilakou höre und lese.

Ich selbst bin – wie Du weisst – Mitglied der Wiener Grünen und habe gestern in meiner tiefen Verzweiflung erstmals nicht mehr grün gewählt, sondern die Liste Hans-Peter Martin. Wenn es HPM nicht gegeben hätte, dann wäre es noch verzweifelter die KPÖ geworden, obwohl ich dezidiert kein dialektischer Materialist bin.

Ich bin völlig verzweifelt über die derzeitige Situation der österreichischen Grünen. Die Uneinsichtigkeit der Führungsriege ist erschütternd. Die österreichischen Grünen sind – anders als die deutschen oder französischen – anscheinend überhaupt nicht in der Lage, eine positive Vision unserer gemeinsamen Ideen zu entwerfen und danach zu kommunizieren. Die Katastrophe dabei ist, dass sich die österreichischen Grünen in einer Negation festgebissen haben, aus der es anscheinend kein Entrinnen gibt: Es ist das selbsternannte so genannte BOLLWERK GEGEN RECHTS.

Ich halte dieses Selbstverständnis für katastrophal und darüberhinaus lächerlich. Wer nicht einmal in der Lage ist, zehn Prozent von 42 Prozent der wahlberechtigten Bürger zu erreichen, der hat nie und nimmer einen Anspruch, irgendein Bollwerk zu sein. Wenn schon, dann waren gestern Hans Peter Martin und Othmar Karas ein Bollwerk gegen rechts, aber nie und nimmer das armselige Häufchen derjenigen Grünen, die – wenn ich allen österreichischen Internet-Foren glauben darf – in überwiegendem Ausmaß nur noch mit Bauchweh und aus Verzweiflung grün gewählt haben.

Politik heisst, Menschen für seine Ideen zu begeistern. Die heutigen Grünen sind Lichtjahre davon entfernt, auch nur irgendjemanden zu begeistern. Denn begeistern kann man Menschen nur FÜR etwas, so wie es allem Anschein nach Daniel Cohn-Bendit in Frankreich gelungen ist.

Die österreichischen Grünen (Glawischnig, Sburny, Lunacek und Vassilakou) verstehen sich dagegen als Vereinigung GEGEN irgendetwas. Doch GEGEN etwas kann man Menschen niemals begeistern, sondern nur instrumentalisieren. Die heutigen österreichischen Grünen instrumentalisieren ihre Anhänger GEGEN etwas (und sei die Idee dahinter noch so hehr und vernünftig), anstatt sie FÜR etwas zu begeistern.

Es gibt ganz wenige in der heutigen grünen Partei, denen ich gerne zuhöre, wenn sie mich von etwas begeistern wollen. Du bist einer davon. Doch diese Spezies scheint in dieser Partei im Aussterben begriffen zu sein. Und langsam, aber sicher stirbt die gesamte Partei und die grüne Idee mit ihr mit.

Die Umkehr dieses eingeschlagenen Irrweges kann anscheinend nur durch eine riesige Katastrophe bewirkt werden. Augenscheinlich war das gestrige Ergebnis nicht katastrophal genug. Ich bin erschüttert, traurig und verstört.

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