Europa vor der Wahl

05/Jun/2009

Meine Überlegung zur bevorstehenden Wahl zum EU-Parlament habe ich soeben dem Landesgeschäftsführer der Grünen Wien geschrieben:

hallo robert,

wahrscheinlich weisst du, dass ich mitglied der wiener grünen bin, denn sonst wäre ich wahrscheinlich nicht auf diesem verteiler. ich bin deswegen mitglied, weil ich in den grünen meine politische anschauung eines ökosozialliberalen ausgezeichnet vertreten finde. die erstellung der kandidatenliste zum europaparlament im winter hat mich jedoch dermaßen verstört, dass ich bei dieser wahl nicht grün wählen werde, obwohl ich europa grüner haben will.

was mir noch wichtiger ist als ein grünes europa ist der respektvolle umgang von menschen miteinander. und diesen respektvollen umgang mit menschen sehe ich in der manischen negation voggenhubers in höchstem maße verletzt. ich bin nicht einverstanden, wie von der jetzigen parteispitze mit menschen umgegangen wird. das erinnert mich tendenziell an die deutsche demokratische republik unter walter ulbricht und erich honecker, der ich auch zugute halte,  von ihren hehren idealen zutiefst überzeugt gewesen zu sein.

die jetzige parteispitze hat meine vorstellung von respektvollem umgang mit menschen zutiefst verletzt. daher wähle ich diesmal weiss und hoffe darüberhinaus auf eine empfindliche schlappe der grünen bei dieser wahl, damit diesbezüglich einsicht die selbstherrlichkeit zu ersetzen beginnt.

daher: so nicht.

liebe grüße

peter

ps: ich habe im winter vier blogeinträge zur causa voggenhuber geschrieben. diese sind für mich immer noch aktuell. wenn es dich interessiert:

https://peterwurm.wordpress.com/2009/02/05/liebe-sigrid-pilz/ (und die drei davor)

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2 Antworten to “Europa vor der Wahl”

  1. Robert Korbei Says:

    Hallo Peter

    Niemand ist glücklich damit, dass Johannes auf diese Art und Weise nicht auf der Liste gestanden ist. Und ich weiß gar nicht ob die von dir diagnostizierte Unfähigkeit der Parteispitze an diesem Beispiel abgehandlet werden kann.

    Denn Johannes hatte am eigentlich Listenwahlentscheidenden Bundeskongress von den Anwesenden Delegierten klar gesagt bekommen: den zweiten Platz hast du sicher. Seine Antwort war: den nehme ich nicht, und übrigens halte ich auch eine Kandidatur oder eine Solidaritätskandidatur weiter hinten für nicht sinnvoll, auch als demokratipolitischen Überlegungen. Also wählt mich auf Platz eins und wenn nicht, dann nicht. Der EBV konnte dann aus mehreren, auch statutarischen Gründen, dem Johannes keinen Platz mehr geben. Das ist hart, war aber die einzige Entscheidungsmöglichkeit. Ich persönlich halte es auch für eine richtige Entscheidung, wie jetzt wiederum ich kürzlich auf meinem Blog ausgeführt habe:

    http://korbei.wordpress.com/2009/06/01/kapitel-zwei/

    Ich habe also aus inhaltlicher Überzeugung gegen Johannes gestimmt, gerade weil für mich Europa ein wichtiges Projekt ist dass wir gemeinsam mit den Menschen entwickeln müssen. Und da haben die Grünen unter der Federführung von Johannes unglaublich viel liegen lassen.

    Aber wie gesagt, ob das dein eigentliches Argument, dem respektvollen Umgang, dem gemeinsamen Vertrauen und der gemeinsamen Entwicklung wofür wir stehen, entkräften kann, bin ich mir nicht sicher.

    Robert Korbei

  2. Peter Wurm Says:

    hallo robert,

    deine antwort ist fast geneigt, mich milde zu stimmen. nach längerem nachdenken entspricht sie jedoch nicht meiner erinnerung. ich erinnere mich sehr genau an michaela sburnys aussage: „ich habe den beschluss des erweiterten bundesvorstands, johannes voggenhuber nicht auf die liste zu nominieren.“

    johannes voggenhuber wollte nach seinem fehlschlag auf platz 1 eine solidaritätskandidatur. pilz und chorherr waren neben vielen anderen dafür. ich halte die gegenteilige entscheidung eines einfachen „NEIN“ ohne alternative für einen inakzeptablen umgang. mir ist es wurscht, ob johannes voggenhuber nach seiner niederlage auf platz 1 seine meinung bezüglich solidaritätskandidatur geändert hat. letztendlich wollte er hinten kandidieren – und viele, wirklich viele hätten ihn per vorzugsstimme gewählt.

    was besseres hätte der grünen idee gar nicht passieren können. statt dessen wurde gemauert und gemobbt. ob johannes voggenhuber ein arschloch ist und sich taktisch unklug verhalten hat oder nicht, ist mir wurscht. nicht wurscht hingegen ist mir der brutale umgang mit der macht. das halte ich für respektlos und eigentlich menschenunwürdig. da hat sich das establishment selbst ein ei gelegt. „statuarisch“, wie du schreibst, war da gar nichts. es war einfach eine entscheidung zwischen mut und angst, zwischen verbindender integration und spaltendem ausschluss. die grünen (der ebv) hat sich für die angst und die spaltung entschieden und daher bin ich diesmal nicht dabei.

    liebe grüße

    peter


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