Die Krise des Katholizismus

14/Feb/2009

Aus hiesiger Sicht scheint die katholische Kirche in einer respektablen Krise zu stecken. Ausgelöst durch zwei Personalentscheidungen beginnt die Basis dieser Organisation wieder einmal rasant zu bröckeln. Die Reinkommunikation des Richard Wiliamson als globales Ereignis und die Berufung von Gerhard Maria Wagner zum provinziellen Hilfsbischof als lokales Ereignis haben bei vielen Menschen das Fass zum Überlaufen gebracht. Die meisten Kommentatoren sehen die aktuellen Entwicklungen als bedauerlichen Fehler, ich dagegen halte sie für systemimmanent.

Ich sehe die römisch-katholische Kirche inzwischen aus einer gelassenen Distanz. An meiner christlich-katholischen Sozialisation habe ich mich in den knapp vier Jahrzehnten meines Lebens hinreichend abgearbeitet. So habe ich beispielsweise vor einigen Jahren die römisch-katholische Kirche beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angezeigt, weil sie Menschen auf Grund ihres Geschlechts diskriminiert, ein Vorhaben, das irgendwann im Sand verlaufen ist. Heute betrachte ich den Katholizismus römischer Art als massiges Phänomen innerhalb von kosmischen Gesamtzusammenhängen.

Ich halte den Monotheismus abrahamitischer Prägung für die fatalste Katastrophe dieser Erde, was in den letzten 2500 Jahren auch genügend anschaulich wurde. Innerhalb der drei vorderorientalischen Monotheismen ist mir das Christentum die noch am wenigsten unsympathische Religion, meiner Ansicht nach jedoch ein riesiges Missverständnis. Soferne die Worte des Jesus von Nazareth von seinen Evangelisten überhaupt begriffen wurden, stellen sie jedenfalls – wie jede so genannte heilige Schrift – die Basis für himmelschreiende Willkür dar. Die Exegese der bisherigen 2000 Jahre seit Paulus tut ein Übriges, aus der ursprünglichen Lehre ein totalitäres System zu entwickeln.

Die aktuellen Probleme der römisch-katholischen Kirche – seien sie global oder lokal – sind symptomatisch für das Erbe, das der beschnittene Jude Jesus den Seinen hinterlassen hat. Ein Mensch, dessen gewaltsame Zeugung von Anfang an tabuisiert wurde, hinterlässt bei seinen Fanatikern selbstverständlich einen blinden Fleck beim Thema Sexualität. Und wenn die ursächliche Geschlechtlichkeit seiner beiden Eltern schon ein Tabu ist, dann wird das seine eigene erst recht. Johannes kann von sich noch so oft schreiben: „Der Jünger, den Jesus liebte“, „der in seinem Schoß und an seiner Brust lag“, Sexualität – und erst recht der Ausweg Homosexualität – bleibt in dieser Tradition ein dunkles Kapitel. Da hilft es auch nichts, wenn das weibliche Christentum seit Maria Magdalena voll ist von „Verzückungen“ in bezug auf diesen Gottessohn.

Johannes war halt einer der „Buberlpartie“ seines Herrn, und sein Meister war sein „Lebensmensch“. Und wenn sie in Kärnten gelebt hätten, dann hätten sie ihr letztes Mahl eben im „Stadtkrämer“ zu sich genommen. Mit Wodka statt Wein. Und am Tod im Rausch sind natürlich die Juden schuld.

Eine Antwort to “Die Krise des Katholizismus”

  1. rotegraefin Says:

    Schade leider ist dieser Artikel noch voll Häme. Oder voller Bitterkeit darüber, dass eine ehemals frohe Botschaft so sehr bis ins Gegenteil umgedeutet wurde.
    Der Kern der Wahrheit kann nur wieder in der Ergänzung von weiblicher und männlicher Logik gefunden werden und der Tatsache, dass der Mensch göttlich und okay ist.

    Es ist gut, dass diese Fehlinterpretationen so langsam alle ans Tageslicht kommen und als schwerwiegende Fehler bezeichnet werden können, die Jahrhunderte langes menschlich verursachtes Leid und Angst produziert haben.


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