Johannes Voggenhuber

30/Jan/2009

Heute Abend saß ich in meinem Lieblingscafé, als ich die Nachricht erhielt, dass die Solidaritätskandidatur Johannes Voggenhubers auf dem letzten Platz der Kandidatenliste zum EU-Parlament vom erweiterten Parteivorstand der Grünen mit 17 zu 12 Stimmen abgelehnt wurde. Meine erste Emotion dazu war vergleichbar mit jener nach der letzten Nationalratswahl: Verblüffung.

Kurz darauf wurde ich zornig und ich konnte plötzlich all jene Menschen verstehen, die in ihrer ohnmächtigen Wut auf „die da oben“ ihr Kreuz bei der FPÖ machen. Wenn mir in dieser Situation jemand das Angebot gemacht hätte, es „denen“ zu zeigen, ich wäre bedingungslos mitmarschiert.

Was treibt eine Partei, zum erfolgreichsten Spitzenkandidaten ihrer Geschichte „Nein“ zu sagen? Eva Glawischnig spricht in ihrer ersten Stellungnahme danach von „mangelndem Vertrauen.“ Mangelndes Vetrauen ist nichts anderes als Angst. Ich bemerke, dass in der grünen Partei Angst um sich greift. Angst wovor?

Mein Vater hat dereinst, als ich mich als Kind vor dem Schlafengehen fürchtete, zu mir gemeint: „Wenn du dich fürchtest, dann weißt du, wovor. Wenn du Angst hast, dann weisst du es nicht.“ Wovor fürchten sich Eva Glawischnig, Ulrike Lunacek, Eva Lichtenberger, Monika Vana, Maria Vassilakou, Sigrid Pilz und Madeleine Petrovic? Alle diese Frauen haben sich vor der Abstimmung öffentlich gegen Voggenhubers Solidaritätskandidatur ausgesprochen, die Männer Daniel Cohn-Bendit, Cyriak Schwaighofer, Peter Pilz und Christoph Chorherr jedoch selbstverständlich dafür.

Während die Wut tendenziell männlich ist, ist die Angst tendenziell weiblich, das liegt in der Natur der Geschlechter (hinaus versus hinein). Die Wut bejaht zu einem hohen Preis, die Angst verneint zu eben diesem. Heute hat die grüne Angst den erfolgreichsten Spitzenkandidaten der grünen Geschichte endgültig verneint. Was bedeutet das? Was bejaht sie statt dessen? Was ist die Alternative?

Was ist das Ziel? Wenn der größte Erfolg nicht das politische Ziel ist, was ist es dann? Was ist das Ziel der Grünen heute Abend? Was ist das Ziel? Geschlossenheit? Ist das Ziel Geschlossenheit? Mir wäre Offenheit lieber.

Eva Glawischnig an der grünen Spitze beginnt mich an den Ratzinger Seppl an der Spitze der römischen Katholiken zu erinnern. Wir sind heute Abend bedeutend kleiner geworden. Ich bin traurig, wütend und verstört.

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2 Antworten to “Johannes Voggenhuber”

  1. Harald Lang Says:

    Sg. Herr Wurm,
    ich bin Teilnehmer an einem kleinen, aber m. E. feinen Diskussionsforum.
    (www.philosophiecafe.at). Dort wird gerade die „Causa Voggenhuber“ mit Interesse verfolgt. Deshalb habe ich mir erlaubt, ihren Artikel in’s dortige Forum zu stellen. Ich hoffe, dass diese Vorgangsweise nicht ihren Intensionen widerspricht und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen,
    Harald Lang

  2. Harald Lang Says:

    Sg. Herr Wurm,
    es ist wirklich sehr schade, was sich derzeit in Ihrer Partei abspielt. Ein außenstehender Beobachter muss m. E. den Eindruck gewinnen, dass sich da ein „Kampf der Geschlechter“ abspielt. Im besten Fall werden das vielleicht KabarettistInnen positiv zur Kenntnis nehmen, „normale“ Wähler werden davon, so meine ich jedenfalls, eher irritiert sein. Ich glaube, viele Menschen werden sich fragen, welche Intentionen die „grünen“ Damen eigentlich haben. „Weibliches Kreuzrittertum“ gegen Männer? Abbau jahrelang aufgestauter Frustrationen auf der politischen Bühne? Ich hoffe wirklich, dass bei Frau Glawischnig & Co. bald die Vernunft zurückkehrt und die Besinnung auf ein taktisch besseres Verhalten in der Öffentlichkeit.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Harald Lang


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