Meine Jahresbilanz 2008

31/Dez/2008

Sylvester. Zeit, wie üblich, zurückzublicken. 2008 wird meiner Ansicht nach als Zäsur in die Geschichte eingehen, ähnlich wie 1918, 1929, 1945 und 1989. 2008 brachte das Ende der freien Marktwirtschaft, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten entfesselt zu Ende beschleunigt hat. Die Politik der neoliberalen Neocons, die mit Reagonomics und Thatcherism (und ein bisschen Kohl-Genscher) vor 30 Jahren ihren Ausgang nahm, hat nicht nur die Konkurrenz des Kommunismus vor 20 Jahren, sondern soeben auch sich selbst hinweggefegt.

Was vor 30 Jahren als Erneuerung begann, ist nun eine Generation später selbst zusammengebrochen. Die Deregulierung, die den Zweck hatte, verkrustete Strukturen aufzubrechen, ist zum Selbstzweck vekommen und hohl geworden. Was unter Clinton und Blair (und ein bisschen Schröder-Fischer) noch halbwegs in Schranken gehalten wude, entwickelte sich unter Bush letztendlich zum völligen Desaster. Die schrankenlose Politik des „anything goes“ ist gescheitert. Der freie Markt regelt zwar alles, der Preis dafür ist jedoch zu hoch. Und das ist endlich deutlich und schmerzhaft sichtbar geworden.

Ich bin glücklich darüber und dankbar dafür, dass der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems im September 2008 vonstatten ging. Das ermöglichte den Wahlsieg Barack Obamas ein paar Wochen später. Wenn wir manchmal auch kosmische Zusammenhänge betrachten, dann sehe ich in Barack Obama den ersten großen Staatsmann des Wassermannzeitalters. Das Zeitalter der Fische, das vor 2000 Jahren symptomatisch mit Jesus von Nazareth und dem römischen Kaiserreich im Okzident seinen Ausgang nahm, hat sich nun endgültig seinem Ende zugeneigt. Das hierarchische Führerprinzip des Fischzeitalters, das sich bis zu Adolf Hitler, Josef Stalin und Mao Tse Tung ins Extreme steigerte, hat im lächerlich desaströsen Abgang des George W. Bush seinen würdigen Abschluss gefunden.

Das beginnende Wassermannzeitalter, das uns die nächsten 2000 Jahre ins Haus steht, ist durch flachere und vernetzte Strukturen gekennzeichnet. Die Anzeichen dafür sind nicht zu übersehen. Die großen Drei von Jalta sind über die G7 und G8 nun endlich zu den G20 geworden. Die Zeit der Supermächte geht zu Ende, politisch wie auch religiös. Die Welt vernetzt sich mehr und mehr, politisch und medial. Aus dem Streben nach einem Zentrum an der Spitze (die in dieser Welt gemäß dem Symbol der Fische immer dualistisch bleiben musste) wird das Streben nach einem Netz mit unzähligen Knotenpunkten.

Barack Obama steht symptomatisch für den Übergang in dieses neue kosmische Zeitalter, das rund um die Jahrtausendwende (manche meinen, zwischen 1989 und 2012) anbricht. Während wir 1989 begonnen haben, uns vom hierarchischen Prinzip zu verabschieden, wenden wir uns seither dem vernetzten Prinzip bis ins Jahr 2012 zu. 2008 fügt sich als historischen Jahr in diesen Übergang ein.

Dieses in dieser Form erlebt zu haben, dafür bin ich dankbar.

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