Die Zertrümmerung Jörg Haiders

16/Okt/2008

„Jetzt und hier die Stopptaste drücken“ fleht Haiders jünglicher Nachfolger die Medien an, „und die Berichterstattung betreffend des Unfalls abzuschliessen.“ Das ist gut gemeint, lieber Dolm, doch wer hat im Falle Marcus Omofumas oder Arigona Zogajs die Stopptaste gedrückt? Wer drückt die Stopptaste in den Fällen der rechten Ausländerhetze? Hat Jörg Haider selbst irgendwann in seinem Leben je die Stopptaste gedrückt?

Nein. Hier wird nicht die Stopptaste gedrückt, das wäre pietätlos. Nun scheint posthum endlich herauszukommen, was Eingeweihte seit Jahren gewusst haben. Jörg Haiders Leben abseits der Öffentlichkeit deckte sich überhaupt nicht mit seinen öffentlichen Forderungen.

Ich halte mir zugute, nach Jörg Haiders selbstverschuldetem Tod dasselbe zu schreiben wie davor. Haiders pikantes Leben jenseits der Medien ist mir in Auszügen seit 1999 bekannt. „Braucht Jörg Haider minderjährige asiatische Strichjungen?“ habe ich damals öffentlich gefragt.

Jörg Haiders in Szenekreisen bekannte Homosexualität war zwar interessant, mir aber eher wurscht. Nicht wurscht war und ist mir manipulative Unterdrückung. Und ganz und gar nicht wurscht ist mir die Diskrepanz zwischen Gepredigtem und Gelebtem. Jörg Haider war ein Grenzgänger. Definitionsgemäß werden dabei auch immer wieder Grenzen überschritten. Jörg Haider hat immer wieder die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. Das stört mich persönlich überhaupt nicht. Mich stört die Überschreitung gesetzlicher Grenzen, wenn das Gegenteil davon gepredigt wird.

Jörg Haider errichtet kurz vor seinem Tod ein Lager in den Kärntner Bergen abseits der Zivilisation „zur Konzentration“ für noch nicht einmal verurteilte angeblich kriminelle Asylwerber. Das ist öffentlich.

Derselbe Jörg Haider rast nach dem nächtlichen Besuch des Klagenfurter Schwulentreffs „Stadtkrämer“ mit 1,8 Promille Alkohol im Blut und mehr als 150 Stundenkilometern durchs Ortsgebiet Richtung arisiertem Besitz. Das ist privat. Ist das privat?

In der Nacht nach meiner Begegnung mit Jörg Haider an seinem politischen Aschermittwoch in Ried im Jahr 2002 habe ich seinen Unfalltod auf dem Heimweg vor mir gesehen und ein paar Freunden ein SMS geschickt: „Jörg Haider ist tot.“ Es war sein letzter politischer Aschermittwoch in Ried. Und nun ist auch das SMS wahr geworden. Wir haben ihn besiegt. Zertrümmert hat er sich selbst.

Danke Jörg.

16 Antworten to “Die Zertrümmerung Jörg Haiders”


  1. […] weiter bei Die Zertrümmerung Jörg Haiders […]


  2. […] Die Zertrümmerung Jörg Haiders […]

  3. Robert Says:

    Typisch Grün —- Ihr habt ihn besiegt….????

    ER hat sich selbst besiegt! Nur wird er in den Herzen der Kärntner Bevölkerung weiterleben!
    Ich war kein Haider-Wähler, habe leider zu oft GRÜN gewählt – wie viele in meinem Freundeskreis. Wir sind alle geläutert – haben uns von der sich selbst als Partei für Junge und Andersdenkende(lebende verabschiedet.

    Wir die 25-35 jährigen haben euch besiegt!

  4. michael Says:

    die wehleidigkeit und scheinmoral haiders waren schon zu seinen lebzeiten eine widerliche angelegenheit; dass sie aber jetzt in konzertierten gehirnwäscheversuchen der veröffentlichten meinung dieses landes unter den teppich gekehrt werden sollen, ist einfach nur unerträglich.

  5. carnica Says:

    Also der Name des Blogs – für Respekt im Umgang mit anderen – erscheint mir in Kombination mit diesem Text unpassend bis zynisch.

    Ich bin auch der Meinung dass bei der politischen, journalistischen und juristischen Aufklärung der letzten Stunden Haiders keine Stopptaste gedrückt werden darf – erst recht jetzt nicht, nachdem immer mehr Ungeheuerliches an die Öffentlichkeit gelangt. Diese Aufklärung hat aber mit Pietät nichts zu tun: das wäre eine absurde Umkehrung der absurden Argumentin Petzners (die ja in erster Linie auf Machterhalt durch Ausschaltung unangenehmer Schlagzeilen abzielt). Diese Aufklärung ist schlicht eine Frage der politischen Hygiene.

    Aber das ist hier nicht der Punkt. Sondern: Eine SMS mit dem Inhalt „JH ist tot“ zu schreiben, ist ausgesprochen grenzwertig. Sich Jahre später damit noch zu rühmen, ist aber eine Geschmacklosigkeit der Sonderklasse. Unabhängig von der Person Jörg Haider.

  6. palisadesberlin Says:

    @michael
    Du sprichst mir aus dem Herzen!

    @carnica
    Ist schon komisch, das für jemanden der Zeit seines Lebens zynisch und teilweise Menschen verachtend argumentiert hat um seine Ziele durchzusetzen jetzt um Pietät gebeten wird.

  7. DDr.Klaus Weber Says:

    Nur wer griechische Mythologie nicht kennt, ist so dumm einen Wagen „PHAETON“ zu nennen [s.zB. http://de.wikipedia.org/wiki/Phaethon_(Mythologie) ], und nur wer griechische Mythologie nicht kennt, ist so schlicht, sich einen Wagen mit diesem Namen auch selbst zuzulegen oder in diesen gar einzusteigen. [Ist fast so pfiffig, wie eine Fluglinie IKARUS zu nennen!]
    Gestorben ist Jörg Haider m.E. nur vordergründig am Suff von 1.8‰, nur vordergründig an der Raserei von 184 bzw 142km/h, nicht an ungelösten schwulen Zores und dem Telephonieren beim Autofahren; sondern an seiner eigenen HYBRIS, die zu all dem führte [s.zB. http://de.wikipedia.org/wiki/hybris ]. An jener Selbstüberschätzung, die bereits dem griechischen Phaeton so plastisch zum Verhängnis wurde.
    Entsetzlich für seine Familie, die nun um ihn trauert; und ihr gilt all unser Mitgefühl. Aber sie ist drauf und dran seine Hybris fortzuspinnen und seine Verlogenheit zu perpetuieren. Es gibt einige (wie Jörg Haider und andere Gurus), die sich in ihrem Tod selbst als fortgesetzte Lügner entlarven: das entbehrt nicht nur der Komik; es kann auch heilsam sein.
    Möge in diesem Sinn sein dramatischer Tod warnende Lehre für uns alle sein.

  8. Udo Says:

    Es wundert mich immer noch, wieso hier von einer „Zertrümmerung“ die Rede ist. Hier hat sich gar nichts zertrümmert. Im Gegenteil, Haiders Genossen basteln schon fleissig an dessen Heldenlegende und die wird wohl oder übel noch lange leben.

  9. Jörg Haider Says:

    alle besiegt. er ist der mythos kärntens – er wird immer leben!


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