Wir haben gewählt

28/Sep/2008

„Österreich rückt nach Rechts“ ist der Grundtenor der nationalen und internationalen Pressestimmen. Das Ergebnis aus grüner Sicht ist katastrophal. Nach einem solchen eindeutigen Scheitern der Regierung diesmal als Oppositionspartei absolut und relativ zu verlieren und vom dritten auf den (vorläufig) fünften Platz abzustürzen ist eine Katastrophe ersten Ranges. Die Wählerstromanalyse des ORF zeigt uns, dass wir unfähig waren, relevante Stimmenanteile von SPÖ und ÖVP zu gewinnen. FPÖ und BZÖ haben das geschafft. Wir hingegen haben sogar an die Nichtwähler verloren.

„Es geht nicht darum, dass die freiheitlichen Wähler dumm sind. Es geht darum, dass wir zu dumm sind, sie für uns zu gewinnen.“ habe ich bei meiner Rede zur Kandidatur vor sechs Wochen gesagt. Diese Analyse wurde heute in schauderbarer Weise bestätigt. Es wird Zeit, dass wir lernen, die Menschen endlich so zu nehmen, wie sie sind und nicht, wie sie (unserer Meinung nach) sein sollen. Es wird Zeit, dass wir endlich Herz und Bauch ansprechen, anstatt permanent moralische Vorschriften zu erlassen. Es wird Zeit, dass wir endlich lernen, mit Angst und Wut umzugehen, anstatt immer nur mit der Vernunft. Es wird Zeit, dass wir uns endlich der Realität stellen und nicht unserem Wunschbild.

Wir haben nichts an unseren Inhalten zu ändern, aber fast alles an unserer Form.

Mein erster Vorschlag zur Regierungsbildung heute Nachmittag war Rot-Orange-Grün mit Jörg Haider als Kanzler und vdb als Vize – aber nur, wenn bei uns ein Plus davorsteht. Das ist leider nicht der Fall, auch nicht mit den zu erwartenden Wahlkarten. So haben wir keinen Anspruch auf die Regierungsbeteiligung. Daher bin ich heute Abend für die Unterstützung einer roten Minderheitsregierung durch Grün und Orange. Und für einen radikalen Wandel unserer Partei: Weg von der Selbstbefriedigung, hin zur Befriedigung des Wählers. Weg von der Onanie, hin zur Kopulation.

Strache und Haider ficken eindeutig besser als wir. Molterer noch schlechter. Ein schwacher Trost.

3 Antworten to “Wir haben gewählt”


  1. Machen die Grünen was falsch?…

    Ich hab’s ja selber nicht gesehen: Im ORF wurden in der Wahlnacht Statements von grünen Menschen auf der entsprechenden Wahlparty gezeigt. Ich dürfte auf die Frage, was denn die Grünen in der Wahlauseinandersetzung falsch gemacht haben,…

  2. Sonja Schiff Says:

    Großartige Analyse! Außerdem mag ich deine radikale Sprache 😉
    Hab dich mit mir verlinkt.
    Grüße
    Sonja


  3. Also weit im Nachhinein -weil ich zufällig auf Deinen Blog gestoßen bin-kommentiert:
    Nicht bös sein. Ich hab -so wie fast immer- die FPÖ gewählt. Hab mich natürlich über das Ergebnis gefreut, besonders auch über das Ergebnis der Grünen. „Schadenfreude ist die reinste Freude, sie kommt von Herzen und ist echt“, während die Freude über den „eigenen“ Erfolg halt manchmal durch (wenn auch begründete) Mißgunst getrübt wird. Deine Kurzform aber stimmt. Haider und Strache ficken besser. Wobei der Strache die Bräute „nur“ bei der Stange halten musste, dem Haider aber ist es tatsächlich gelungen, wirklich aus dem Nichts, auch in Nichtkärnten, was ordentliches zu machen. Er hats irgendwie wieder geschafft, wie genau weiss ich nicht, jedenfalls im Wahlkampf unspektakulär und ohne „großartige“ Auftritte, Nischen, Lücken, Ritzen zu finden in denen man in Herz und Hirn der Leute eindringen kann. Was Haider ua. auszeichnet(e- schade um ihn) ist die geistige Flexibilität, der Wille und Mut einem eingeschlagenen Weg auch mal wieder eine etwas andere Richtung zu geben (abgesehen vom persönlichen Einsatz, den meiner Meinung nach nur Verrückte, jedenfalls aber nicht Menschen normalen Zuschnitts erbringen können). Ganz anders -in meiner Wahrnehmung- die Grünen. Sagen das was sie immer schon gesagt haben. Versuchen so zu tun so als sei das was neues. Sagen sei es gerade jetzt so wichtig, dass das, was sie immer schon gesagt haben, jetzt noch wichtiger wird. Hauptsache keine Abstriche von der Linie. Probleme mit Zuwanderung-gibts nicht-nur Hetze-wenn doch-durch Erziehung(Integration) der Einheimischen/evt. Zuwanderer zu lösen. Dazu etwas ÖKO, Frauen, Antifa, den Apell an die Intelligenz, Künstlerunterstützung, Journalistenunterstützung und viel Belehrung, Belehrung, Belehrung… Genau jene Belehrung, auf die jeder Facharbeiter etc., im Grunde genommen natürlich ihr selber auch, scheißt.
    Du hast es schon gesagt. Die Menschen sind nicht so, wie sich die Grünen es wünschen. Sie sind wie sie sind und sie sind (siehe Ringel) nicht allein deswegen so, weil sie SPÖVPFPGR so gemacht haben. Die Menschen sind (im grünen Sinne) nicht gut, nebenbei natürlich auch die „Grünen“ nicht, sie wollen aber glaublich als besonders „gut“ gelten und haben auch ihre Lobby dafür. Warum sind die Grünen die „Umfragekaiser“ und die „Rechten“ zumeist die Wahlgewinner. Weil die Österreicher wissen, dass es nicht opportun ist, niicht zu sagen, was sie denken, weil sie wissen, was von ihnen als Antwort erwartet wird. Der Druck wird offensichtlich medial aufgebaut (warum kenne ich eigentlich darüber keine veröffentlichten Studien). Das Ganze ist nicht unproblematisch. Auch für die Grünen. Man stelle sich mal umgekehrt vor. Ein allgemeiner medialer Druck würde gegen „Grüne Positionen“ laufen. Wäre interessant ein solches Szenario durchzudenken. Ich tus nicht, dafür schmeckt mir gerade der Wein zu gut. Trotzdem wärs eine Überlegung wert, die Menschen und nicht die Journalisten zu gewinnen. Im Grunde genommen will niemand böse sein aber „gut“ sind wir alle nicht- zumindest ich.

    Grüße Hans


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