Über Reichtum und Geld

29/Jul/2008

Am selben Tag, an dem in Wien der Politiker Peter Westenthaler wegen falscher Zeugenaussage verurteilt wird und Fritz Dinkhauser die bundesweite Kandidatur seiner Liste bei den Nationalratswahlen im Herbst ankündigt, scheitert in Genf die Doha-Runde der WTO. Gleichzeitig werden die letzten Budgetzahlen der Bush-Regierung in den USA bekannt. Diese sind naturgemäß katastophal.

In seinem Buch „The Audacity of Hope“ schreibt Barack Obama über seinen Besuch bei Warren Buffet, dem damals zweitreichsten und inzwischen reichsten Menschen der Welt. Warren Buffet erwähnt dabei eingangs, dass er unter der Bush-Administration nun einen geringeren effektiven Steuersatz bezahlt als sein Rezeptionist. Und dann erzählt er von sich:

„Take me as an example. I happen to have a talent for allocating capital. (…) I was lucky enough to be born in a time and place where society values my talent, and gave me a good education to develop that talent, and set up the laws and the financial system to let me do what I love doing – and make a lot of money doing it. The least I can do is help pay for all that.“

Warren Buffet ist gut im Geldaufstellen. Und er lebt in einer Gesellschaft, die das Geldaufstellen belohnt. In einer Horde von Jägern, so sagt er selbst, wäre er zum Scheitern verurteilt, weil er körperlich weder schnell noch stark ist. Im Kapitalismus dagegen steht er an der weltweiten Spitze. Was lernen wir aus seinem Schicksal?

Mir persönlich ist die kapitalistische Gesellschaft lieber als eine Horde von Jägern. Mir wird es aber unangenehm, wenn sie zu einer Horde von Jägern verkommt, in der die Langsamen und Schwachen durch den Rost fallen. Selbstverständlich lebt jede Gesellschaft von Schnelligkeit und Stärke – in welcher Form auch immer – doch gerade darum haben die Schnellen und Starken Verantwortung innerhalb des Rahmens, in dem sie ihr Geschick entfalten können. Und Warren Buffet scheint ein schönes Beispiel dafür zu sein, weshalb Barack Obama dieses Gespräch auch erwähnt und darauf anschliesst:

„Buffet’s views (…) reflect an understanding that how well we respond to globalisation won’t be just a matter of identifying the right politics. It will also have to do with a change in spirit, a willingness to put our common interests and the interest of future generations ahead of short-term expediency.“

Das ist einer der Gründe, warum ich Barack Obama mag und mir wünsche, dass er im November zum Präsidenten gewählt wird. Es sind zwar nur Worte, die er da schreibt, doch ich traue ihm zu, dass seine Gedanken zu einer Systemänderung insgesamt führen. Weg vom kurzfristigen Ich hin zum langfristigen Wir. Und die Globalisierung bietet uns erstmals die Chance, dieses Wir allumfassend zu definieren.

Es gäbe noch viel dazu zu sagen, beispielweise warum ich für einen Grenzsteuersatz von 51% eintrete oder für eine vermehrte Besteuerung von Vermögen in unserem Land, vielleicht von einem Drittel auf Zuwächse. Heute frage ich mich, ob ich mich über das Scheitern der WTO-Gespräche freuen soll. Grundsätzlich bin ich für eine Einigung, aber nicht um jeden Preis. Und wenn die reichen Länder nicht in der Lage sind, die Vorteile gerecht zu teilen, dann eben diesmal nicht. Die Globalisierung ist ein langer und schwieriger Prozess, den wir alle erst mühsam erlernen müssen. In Zukunft aber glücklicherweise ohne einen US-Präsidenten George W. Bush.

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Eine Antwort to “Über Reichtum und Geld”

  1. cato Says:

    Ersuche den Landeshauptmann um Abschiebung des straffällig gewordenen Peter Westenthaler.


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