Video: Rede zur Kandidatur 2008

Video: Stefan Wernig Filmproduktion

Rede zur Kandidatur für die Reststimmenliste der Grünen Wien auf der 61. Landesversammlung am Sonntag, den 17. August 2008

Als die Grünen 1986 den Einzug ins Parlament schafften, da prognostizierte man uns ein Wählerpotenzial von über 30 Prozent. Doch während heute SPÖ und ÖVP im Wähleranteil weit über der Zustimmung zu ihren beiden Spitzenkandidaten liegen, dümpeln wir Grünen mit derzeit 14 Prozent weit hinter der Zustimmung zu Alexander van der Bellen hinterher. Einfach gesagt heißt das: Während SPÖ und ÖVP ziemlich unattraktive Spitzenkandidaten haben, haben wir eine ziemlich unattraktive Partei.

Der Grund dafür ist leicht zu finden. Wir sind zu selbstgefällig und selbstgerecht. Manche von uns begeilen sich sogar daran, wenn sie von anderen abgelehnt werden. Wir sitzen auf dem hohen Ross unserer hehren Grundsätze und verachten all jene, die uns nicht verstehen.

Ein Wähleranteil von 20 Prozent für respektlose und dumme Politik von Westenstrache und Konsorten ist nicht nur ein Armutszeugnis für dieses Land. Es ist auch und vor allem ein Armutszeugnis für uns, die wir es nicht schaffen, für Menschen mit Ängsten und Sorgen eine attraktive Alternative zu bieten. Es geht nicht darum, dass die freiheitlichen Wähler dumm sind. Es geht darum, dass wir zu dumm sind, sie für uns zu gewinnen.

Politik heißt, Menschen für seine Ideen zu begeistern. Da genügt es nicht, die eigene Onanie zu bestaunen, und seien die Ergüsse noch so grün. Wir haben auf die Menschen zuzugehen und sie von dort abzuholen, wo sie stehen. Und viele Menschen haben Angst. Sie fürchten sich vor allem Möglichen, am allermeisten vor allem Fremden. Wir haben diese Ängste ernst zu nehmen. Diese Ängste sind nämlich immer begründet. Wir haben diesen Ängsten mit Respekt zu begegnen.

Wir Grüne müssen endlich lernen, dass wir nicht Politik für die Umwelt machen, nicht für die Tiere, nicht für die Frauen, nicht für die Schwulen und Lesben und nicht für die Ausländer. Wir Grüne machen Politik für Menschen. Wir Grüne machen Politik für alle Menschen. Und wir stehen für eine respektvolle Politik. Wenn wir daher Politik für die Umwelt machen, für Tiere, für Frauen, für Lesben und Schwule und für Ausländer, dann deswegen, weil wir wollen, dass wir alle miteinander respektvoll und wertschätzend umgehen – egal ob wir Mensch oder Tier, Mann oder Frau, Hetero oder Homo, Inländer oder Ausländer sind. Wir Grüne stehen für respektvolle Politik für uns alle.

Ein Wort noch zur Umwelt. Wer ist die Umwelt? Die Umwelt sind wir alle. Wir Grüne haben unsere Umwelt zum Programm gemacht. Und mit dem Schutz unserer Umwelt haben wir das größte Zukunftsprogramm, das es überhaupt gibt. Armut und Abhängigkeit sind immer ein Mangel an erneuerbarer Energie. Wenn wir heute vor einem Benzinpreis von 20 Schilling pro Liter und dem Klimakollaps stehen, dann haben wir endlich die Chance, selbst die Dümmsten für unsere Ideen zu begeistern. Wir können endlich die Grundlagen dafür legen, uns alle nachhaltig reich und unabhängig zu machen. Wir haben das Programm dafür. Jetzt brauchen wir nur noch die Menschen dazu.

Wir Grüne haben langfristig die unangefochten stärksten Ideen für Österreich. Daher werden wir auch langfristig die unangefochten stärkste Partei in Österreich werden. Dafür ist es jedoch notwendig, dass wir unsere Arroganz ablegen und uns für Andere öffnen. Minderheitenschutz ist edel und notwendig, hat jedoch nur einen Sinn, wenn wir damit die Mehrheit ansprechen. Ich will, dass wir die Mehrheit werden. Ich will, dass wir Grüne die stärkste Partei in diesem Land werden. Und ich will, dass wir am Abend des 28. September diesem Ziel näher gekommen sind. Darum kandidiere ich heute für den Einzug in den Nationalrat. Und dafür bitte ich euch um euer Vertrauen. Ich danke für euren Respekt.

7 Antworten zu “Video: Rede zur Kandidatur 2008”

  1. Jörg Sagt:

    Gratuliere zur gelungenen rede!
    jörg

  2. Peter Wurm Sagt:

    Lieber Peter Wurm,

    ich hoffe Du erschrickst nicht allzu sehr, aber es gibt auch einen Peter Wurm bei der FPÖ (Schock !) der für den NR am 28. September kandidiert. Wenn ich Deine Website richtig gelesen habe so bist auch Du auf einem Kampfmandat sitzen geblieben – ebenso wie ich. Offensichtlich haben wir beide nicht nur denselben Namen sondern sind auch in der jeweiligen Partei nicht immer ganz unumstritten. Außerdem möchte ich Dir zu Deiner Rede und Deinem sehr professionellen Internetauftritt gratulieren. Da kann ich noch einiges lernen. Nähere Details über meine Person findest Du unter http://www.il.fpoe-tirol.at
    Nachdem wir uns beide ziemlich sicher nicht im Nationalrat wieder finden werden – ich müsste in meinem Wahlkreis 7b mehr als 19 % der Stimmen machen – würde es mich freuen wenn wir zwischendurch über alle Parteigrenzen hinweg einen sachlichen und respektvollen Diskurs führen könnten.
    Einstweilen schöne Grüße aus Tirol
    Peter Wurm, FPÖ

  3. sylvia Sagt:

    hab soeben deine rede gelesen, wie wahr! ich hab oft einen richtigen zorn auf die grünen wegen genau dieser offensichtlichen unfähigkeit, viel mehr menschen zu überzeugen und zu begeistern – nicht nur die klassischen kernschichten der partei. es fehlt eine gewisse art von volksnähe – im positiven, nicht im westenhaiderstrache-sinn. mit einer abgehobenen intellektuellen-partei kriegt man eben keine mehrheiten…

    natürlich wähl ich sie dann trotzdem immer – wen sonst? ;-)

    unsere vorzugsstimme kriegst du wie gesagt sicher.


  4. [...] sind. Es geht darum, dass wir zu dumm sind, sie für uns zu gewinnen.” habe ich bei meiner Rede zur Kandidatur vor sechs Wochen gesagt. Diese Analyse wurde heute in schauderbarer Weise bestätigt. Es wird Zeit, [...]

  5. rotegraefin Sagt:

    „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ sagte meine Ma oft.

    Ich schon mehr aus dem Norden von BRD kommend. Habe üble Erfahrungen mit einer grünen Dame gemacht in der Zusammenarbeit mit Migranten. Ich habe es ungeheuer bedauert. Was hätten wir alles gemeinsam schaffen können.

    Der Respekt vor dem Anderen und dem Anderssein des Menschen ist ein Zeichen für eine gesunde Gesellschaft. Die Respektlosigkeit von allen Seiten ein deutliches Zeichen für eine kranke Gesellschaft. Es geht um den Innenweltschutz, wie ich mal vor Jahren gelesen habe. Da kann jeder bei sich selber anfangen.


  6. [...] Video: Rede zur Kandidatur 2008 [...]


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