Das Wiener Modell des bedingungslosen Grundeinkommens:
800 Euro 14 mal jährlich.
Gegenfinanzierung:
Sockelbetrag Einkommenssteuer:
14 x 800 / 12 monatlich.
Vertrauen. Respekt.
Das Wiener Modell des bedingungslosen Grundeinkommens:
800 Euro 14 mal jährlich.
Gegenfinanzierung:
Sockelbetrag Einkommenssteuer:
14 x 800 / 12 monatlich.
Als ich Ende der 1990er Jahre während meiner Zeit als Bildhauer zum Broterwerb in Wien am Wochenende Taxi fuhr, da stand ich Sonntag Früh meist auf dem Standplatz Urban-Loritz-Platz im 7.Bezirk. Dieser Standplatz war zu dieser Zeit ein Geheimtipp, da ihn unglaublich viele Gürtellokale als Stammplatz anriefen ließen. Und so führte ich der Reihe nach Nutten, Freier, Betrunkene und Alkoholleichen in die verschiedensten Winkel Wiens, um gleich wieder zurückzukehren, um diesen herrlichen Standplatz zu genießen. Er war am Ostende des Urban-Loritz-Platzes gleich in der Nähe der Stadthalle gelegen und nach Süden ausgerichtet. Und so genoss ich die Zeit zwischen 4 Uhr und 6 Uhr Morgens, als die Stadt wie ausgestorben vor mir lag und die Sonne langsam das Häusermeer von hinten zu erleuchten begann.
Einmal zu dieser Tageszeit wurde ich wieder in ein Gürtellokal gerufen. Ich nahm an und war zwei Minuten später dort. Ich wartete kurz, dann öffnete sich dir Lokaltüre und eine kleine zierliche Frau mit dunklen langen Haaren stieg bei mir ein. Sie setzte sich rechts hinter den Beifahrersitz und schloss die Wagentüre: „In den Achtzehnten. Schopenhauerstraße, bitte.“ Ich blickte in den Rückblickspiegel: „Welche Route wollen Sie fahren?“ Einen Moment hielt sie inne. Dann seufzte sie: „Das ist aber lieb, dass Sie fragen!“
Und in diesem einen Moment realisierte ich, dass ich der erste und einzige Mann an diesem zu Ende gehenden Tag gewesen war, der sie gefragt hatte, was SIE wollte.
Hallo Eva,
hast Du Lust auf eine Vision?
Sound good?
Love
Peter
Heute habe ich meine Kandidatur für die Grünen Wien für die nächste Wiener Gemeinderatswahl bekanntgegeben:
Lieber Ariel Muzicant,
gerade sitze ich in meiner Wiener Wohnung vor dem Laptop, es ist Abend und meine Frau fragt mich: „Was machst du jetzt?“ „Ich schreibe dem Ariel Muzicant.“ „Warum?“ „Weil mir der Antisemitismus auf die Nerven geht.“ „Und da schreibst du dem Ariel Muzicant?“ „Ja.“
Lieber Ariel Muzicant, lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich Sie sehr schätze. Ich mag Sie, weil ich Ihre Art mag, Ihre Freundlichkeit, Ihre Intelligenz, Ihren leicht versteckten Witz und Ihre Gelassenheit. Gerade erinnere ich mich an Ihr Interview in Rau-TV, das ich vor einiger Zeit auf Standard-Online gesehen habe. Und da gefielen Sie mir wieder sehr.
Ich weiß nicht viel über Sie, ich weiß, dass Sie Präsident, oder Vorsitzender, oder einfach Chef der IKG in Wien sind. Ich weiß, dass Sie Medizin studiert haben und in der Immobilienbranche ziemlich erfolgreich sind. Ich erinnere mich, dass mir einmal, als ich mit einem Freund über die geplante Tiefgarage unter dem Neuen Markt in Wien sprach, dieser verstohlen zuflüsterte: „Muzicant!“
Ich erinnere mich auch, dass Sie Jörg Haider selig am Aschermittwoch anno 2001 nach Christus in der Rieder Jahnturnhalle mit seinem Krickl-Witz bedachte: „Wenn einer Ariel heisst und so viel Dreck am Stecken hat…“ Ich habe meine Konsequenz gezogen und mich ganz genau deswegen Jörg Haider in den Weg gestellt. Und der Jörgerl Haider ist schlussendlich an mir zerschellt. Ich bekenne: Nicht der Mossad hat Jörg Haider in den Tod getrieben. Nein. Das war ich.
Egal. Warum ich Ihnen heute schreibe, ist die aktuelle Diskussion über das Doppel-Wort „Exil-Jude“, mit dem irgendein Vorarlberger Politiker irgendeinen Vorarlberger Museumsdirektor bezeichnet hat. „Exil-Jude aus Amerika…“ oder so ähnlich, und deswegen soll der sich nicht in seine Wahlplakate einmischen.
Jetzt ist meine politische Einstellung sonnenklar. Ich bin dafür, dass sich alle einmischen, ob sie nun Exil-Juden sind oder Oahoamische, Ostasiaten oder Westdeutsche, Arier oder Hawaiianer mit Kansas-Kenianischem Migrationshintergrund.
Mir geht es nur um ein Wort. Dieses Wort brachten Sie persönlich in die Diskussion, ich glaub im Standard, oder sonst wo. Sie sagten, und ich glaube, ich erinnere mich wörtlich daran:“Dieser Sager ist ganz eindeutig Antisemitismus.“
Zack. Antisemitismus. Antisemitismus. Was soll das sein? Was, um Gottes Christi Himmels Willen, soll Anti-Semitismus sein? Jetzt weiß ich natürlich, dass es seit mindestens hundert, wenn nicht tausend Jahren (und in Wahrheit werden es wohl mehr als drei Jahrtausende sein), ganz wichtige und präzise Abhandlungen zu diesem Terminus gibt. Tausende Bücher sind ganz sicherlich über diesen Begriff geschrieben und Millionen Seiten gefüllt worden. Jeder Mensch scheint zu wissen, oder zumindest vorzugeben zu wissen, was dieser Antisemitismus ist. Also gut:
Wenn es Antisemitismus gibt, dann muss es auch Prosemitismus geben. (Interessanterweise unterstreicht mein Rechtschreibprogramm von Microsoft-Word dieses Wort „Prosemitismus“ jetzt – und jetzt schon wieder, während es das Wort Antisemitismus nicht unterstreicht. Aha. Sehr interessant. Bill Gates manipuliert die Welt. Dieser Jude!)
Also gut: Prosemitismus? Was soll das sein? Nicht mal das Rechtschreibprogramm von Bill Gates kennt das. Da sind anscheinend nicht so viele Bücher darüber geschrieben worden bisher. Um es kurz zu machen: Semiten sind Völker des vorderen Orients, soweit ich weiß. Semiten sind Juden, Araber, Palästinenser, Jordanier, Syrier und was weiß ich noch was alles. Also diese Völker, die aus dem Nahen Osten stammen, aus Babylon, Sumer, Assur und Jerusalem. Vielleicht auch aus Kairo, ich weiß es nicht. Also jedenfalls alle Menschen aus dieser umstrittenen Gegend.
Aber ich habe noch nie gehört, dass irgendein Palästinenser oder Jordanier oder Araber irgendeinem anderen Menschen „Antisemitismus“ vorgeworfen hat, wenn dieser ihm mit der Keule eins übergezogen hat. Nein. Der Vorwurf, und das ist es, ja, es ist ein Vorwurf, der Vorwurf des Antisemitismus kommt – soweit mir bekannt und in der öffentlichen Diskussion stattfindend – immer, immer, immer nur von Juden. Von Juden. Von Juden.
Von Juden. Damit sind wir beim Kern des Problems. Der so genannte Antisemitismus ist natürlich nur ein billiger Trick. In Wahrheit geht es um die Juden. Und um den Judenhass. Wenn wir öffentlich über unsere bescheidenen Nachfahren der arischen Herrenrasse diskutieren, dann sollten wir genau sein. Worum es hier geht, ist ganz einfach: Es geht um Judenhass.
Tja, lieber Ariel Muzicant. Das ist das Problem. In dieser Welt herrscht Judenhass. Zwar nur vereinzelt und versteckt, aber doch, und immer wieder. Vielleicht wirklich seit Abraham und Isaak. In dieser Welt herrscht Judenhass. Ich habe noch nie gehört, dass es Babylonierhass gäbe, oder Palästinenserhass, oder Türkenhass, oder Amerikanerhass oder Europäerhass oder Vorarlbergerhass. Nicht mal Christenhass oder Moslemhass oder Buddhistenhass. Nein.
Judenhass.
Lieber Ariel Muzicant, ich bin auf Ihrer Seite. Ich mag Sie und ich mag den Doron Rabinovici. Ich mag den Bruno Kreisky und den Barack Obama. Gerade heute habe ich mir wieder gedacht: „Wenn mich einer fragen würde, ob ich Jude bin, ich würd gar nicht wissen, was ich antworte.“
Ich weiß bis heute nicht, was das sein soll, ein Jude. „Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.“ Das ist die offizielle Definition. Geht’s noch? „Christ ist, wer eine christliche Mutter hat.“ „Vorarlberger ist, wer eine Vorarlberger Mutter hat.“ „Araber ist, wer eine arabische Mutter hat.“ „Buddhist ist, wer eine buddhistische Mutter hat.“
Und Isaak? Hatte Isaak eine jüdische Mutter? Und Ismail nicht? Und Jakob? Warum ist Jakob Jude? War Isaaks Frau Jüdin? Warum? Was machte Isaaks Frau zur Jüdin? Isaaks Mutter war Jüdin, Ismails Mutter war es nicht.
Lieber Ariel Muzicant. Solange sich das Judentum auf so einem Scheissdreck begründet, solange dürfts euch mit dem Judenhass herumschlagen.
Jude ist, wer beschnitten ist. Viel Spaß damit.
Mit sehr lieben Grüßen, und von Herzen: Shalom!
Peter Wurm
Best best best film ever. Lubitschs Weltrekord zertrümmert. Der größte Film aller Zeiten.
Ich habe lange gebraucht, um eine positive Alternative zum Monotheismus zu finden. Das war die schwierigste Aufgabe meines Lebens.
Ich halte den Slogan „Abendland in Christenhand“ für den mit Abstand beeindruckendsten des Wahlkampfs zum EU-Parlament in Österreich. Die Auseinandersetzung damit zeigt mit aller Deutlichkeit die völlige Überforderung seiner Gegner. Der Dreistigkeit und Plumpheit von Strache und Konsorten scheint im öffentlichen Leben niemand gewachsen zu sein, mit Ausnahme der überaus erfreulichen Stellungnahme Werner Faymanns letzte Woche.
Das Problem der Gegner der FPÖ sehe ich darin, dass sie in überwiegendem Ausmaß stets vernünftig und darüberhinaus moralisch argumentieren. Aus diesem Grund sind auch die faschistischen Tendenzen in unserem Land niemals bewältigt worden. Die Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalsozialismus beschränkt sich auf das schlichte Argument: „Du darfst nicht Nazi sein, weil Nazi ist böse.“
Das Problem dabei ist, dass jede – wirklich jede – größere politische Gruppierung in diesem Land sich mit dem Faschismus und Nationalsozialismus (davor, mittendrin und danach) arrangiert hat. Es ging auch nicht anders, weil der Faschismus Teil unserer Leitkultur war und wahrscheinlich immer noch ist. Das Phänomen des Faschismus besteht darin, dass er die Welt stets in ein gutes „Wir“ und ein böses „Ihr“ unterteilt. Der Faschismus braucht daher immer einen Außenfeind und wir werden den Faschismus in diesem Land so lange nicht überwinden können, so lange wir einen Außenfeind brauchen. Paradoxerweise gilt das auch insbesondere für den Antifaschismus. Der Antifaschismus ist naturgemäß faschistisch.
Das Problem Österreichs – und damit seine andauernde Anfälligkeit für faschistische Tendenzen – liegt darin, dass wir seit dem Wiener Kongress nur noch Niederlagen einstecken mussten. Dauernd geschlagen zu werden kränkt. Unsere Nation ist durch die fortdauernde zweihundertjährige Niederlage an ihrer Seele erkrankt. Wir sind kollektiv hochneurotisch, fühlen uns komplex minderwertig und neigen daher zum Größenwahn. Die österreichische Realität war in den letzten zwei Jahrhunderten einfach schwer zu ertragen. Der einzige gangbare Ausweg daraus scheint zu sein, sich individuell und kollektiv am liebsten als Opfer zu fühlen. Wer es in Östereich schafft, als Opfer anerkannt zu werden, der hat das Spiel gewonnen.
Daher dreht sich jede öffentliche Auseinandersetzung in diesem Land darum, ein „Wir“ zu definieren, das Opfer eines Außenfeindes wird. Karl Schranz war nie so populär wie nach seinem Ausschluss von den olympischen Spielen in Sapporo, Hermann Maier niemals so wie nach seinem Motorradunfall und das Kabinett Schüssel I nach dem Beschluss der Sanktionen der EU-14. Der Wahlsieg Kurt Waldheims und der Tod Jörg Haiders sind symptomatisch. Wir lieben Elisabeth Fritzl und sind hochgradig irritiert durch Natascha Kampuschs Bemühen, ihre Identität als Opfer abzustreifen. Der österreichische Gedenkblock im ehemaligen Lager Auschwitz definiert ohne zu Zögern in monströser Eindeutigkeit „Österreich als das erste Opfer des Nationalsozialismus.“
Ich bin Heinz Christian Strache dankbar dafür, dass er die faschistischen Tendenzen in unserem Land offensiv vertritt. Er ermöglicht uns damit, eindeutig Stellung zu beziehen. Und diese Auseinandersetzung wird erst dann entschieden sein, wenn wir wissen, wofür das „Wir“ steht, das wir gemeinsam definieren.
