Archiv für 'Ökonomie'Kategorie

Grünes Kandidiatenhearing

12. November 2009

Copyright: Die Grünen Wien

Die jüdischen Siedler

1. November 2009

Die Verhandlungen um ein friedvolles Zusammenleben der Völker diesseits des Jordan scheinen in einer Sackgasse zu stecken. Anlässlich des Besuchs von US-Secretary Hillary Clinton weigert sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, ohne vorherigen Siedlungsstopp mit der israelischen Regierung zu sprechen, während ihm genau dies der israelische Ministerpräsident vorhält.

Ich verstehe das Problem, sehe jedoch eine sehr einfache Lösung: Isaaks Rabin Motiv zu den damaligen Verhandlungen in Oslo war es, dass ein Groß-Israel samt Cisjordanien von den palästinensischen Arabern samt ihrer hohen Geburtenrate langsam, aber sicher unterwandert und ausgedünnt werden würde. Nun steht Mahmud Abbas vor genau dem gegenteiligen Problem: Jüdische Siedler unterwandern seinen Palästinenserstaat.

Im Grunde ist es wurscht. Entweder leben diese Juden in Israel mit einer mit hoher Wahrscheinlichkeit jüdischen Regierung, oder sie bleiben in Palästina mit einer mit hoher Wahrscheinlichkeit arabischen Regierung. Entweder kehren sie „heim ins Reich“ oder sie werden sich in einem Palästinenserstaat zurechtfinden müssen. Und beide Seiten werden lernen, mit Minderheiten in ihrem Land zu leben. So wie wir Österreicher auch…

Das Wiener Modell

1. Oktober 2009

Das Wiener Modell des bedingungslosen Grundeinkommens:

800 Euro 14 mal jährlich.

Gegenfinanzierung:

Sockelbetrag Einkommenssteuer:

14 x 800 / 12 monatlich.

The winner takes it all

29. September 2009

„If everything is under control, you are going too slow.“

Mario Andretti, Formula One Champion 1978

Männer und Frauen II

19. September 2009

Als ich Ende der 1990er Jahre während meiner Zeit als Bildhauer zum Broterwerb in Wien am Wochenende Taxi fuhr, da stand ich Sonntag Früh meist auf dem Standplatz Urban-Loritz-Platz im 7.Bezirk. Dieser Standplatz war zu dieser Zeit ein Geheimtipp, da ihn unglaublich viele Gürtellokale als Stammplatz anriefen ließen. Und so führte ich der Reihe nach Nutten, Freier, Betrunkene und Alkoholleichen in die verschiedensten Winkel Wiens, um gleich wieder zurückzukehren, um diesen herrlichen Standplatz zu genießen. Er war am Ostende des Urban-Loritz-Platzes gleich in der Nähe der Stadthalle gelegen und nach Süden ausgerichtet. Und so genoss ich die Zeit zwischen 4 Uhr und 6 Uhr Morgens, als die Stadt wie ausgestorben vor mir lag und die Sonne langsam das Häusermeer von hinten zu erleuchten begann.

Einmal zu dieser Tageszeit wurde ich wieder in ein Gürtellokal gerufen. Ich nahm an und war zwei Minuten später dort. Ich wartete kurz, dann öffnete sich dir Lokaltüre und eine kleine zierliche Frau mit dunklen langen Haaren stieg bei mir ein. Sie setzte sich rechts hinter den Beifahrersitz und schloss die Wagentüre: „In den Achtzehnten. Schopenhauerstraße, bitte.“ Ich blickte in den Rückblickspiegel: „Welche Route wollen Sie fahren?“ Einen Moment hielt sie inne. Dann seufzte sie: „Das ist aber lieb, dass Sie fragen!“

Und in diesem einen Moment realisierte ich, dass ich der erste und einzige Mann an diesem zu Ende gehenden Tag gewesen war, der sie gefragt hatte, was SIE wollte.

Lust auf Visionen

18. September 2009

Hallo Eva,

hast Du Lust auf eine Vision?

  • Der Hauptsitz der Europäischen Union wird nach Wien verlegt, die Kommission kommt ins Vienna International Center in Kaisermühlen.
  • Die gemäß dem politischen Partnerschaftsprinzip vom Volk direkt gewählten (Rats-)Präsidenten residieren in der Hofburg, namentlich in den Kaiser-Appartments.
  • Der Hauptsitz der Vereinten Nationen wird von NYC in das extraterritoriale ungeteilte Jerusalem mit dem Zentrum des Felsendomes verlegt.
  • Hauptstädte von Israel und Palästina werden Tel Aviv und Ramallah.

Sound good?

Love

Peter

Ich kandidiere

7. September 2009

Heute habe ich meine Kandidatur für die Grünen Wien für die nächste Wiener Gemeinderatswahl bekanntgegeben:

Kandidatur 2009.

Der Antisemitismus

31. August 2009

Lieber Ariel Muzicant,

gerade sitze ich in meiner Wiener Wohnung vor dem Laptop, es ist Abend und meine Frau fragt mich: „Was machst du jetzt?“ „Ich schreibe dem Ariel Muzicant.“ „Warum?“ „Weil mir der Antisemitismus auf die Nerven geht.“ „Und da schreibst du dem Ariel Muzicant?“ „Ja.“

Lieber Ariel Muzicant, lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich Sie sehr schätze. Ich mag Sie, weil ich Ihre Art mag, Ihre Freundlichkeit, Ihre Intelligenz, Ihren leicht versteckten Witz und Ihre Gelassenheit. Gerade erinnere ich mich an Ihr Interview in Rau-TV, das ich vor einiger Zeit auf Standard-Online gesehen habe. Und da gefielen Sie mir wieder sehr.

Ich weiß nicht viel über Sie, ich weiß, dass Sie Präsident, oder Vorsitzender, oder einfach Chef der IKG in Wien sind. Ich weiß, dass Sie Medizin studiert haben und in der Immobilienbranche ziemlich erfolgreich sind. Ich erinnere mich, dass mir einmal, als ich mit einem Freund über die geplante Tiefgarage unter dem Neuen Markt in Wien sprach, dieser verstohlen zuflüsterte: „Muzicant!“

Ich erinnere mich auch, dass Sie Jörg Haider selig am Aschermittwoch anno 2001 nach Christus in der Rieder Jahnturnhalle mit seinem Krickl-Witz bedachte: „Wenn einer Ariel heisst und so viel Dreck am Stecken hat…“ Ich habe meine Konsequenz gezogen und mich ganz genau deswegen Jörg Haider in den Weg gestellt. Und der Jörgerl Haider ist schlussendlich an mir zerschellt. Ich bekenne: Nicht der Mossad hat Jörg Haider in den Tod getrieben. Nein. Das war ich.

Egal. Warum ich Ihnen heute schreibe, ist die aktuelle Diskussion über das Doppel-Wort „Exil-Jude“, mit dem irgendein Vorarlberger Politiker irgendeinen Vorarlberger Museumsdirektor bezeichnet hat. „Exil-Jude aus Amerika…“ oder so ähnlich, und deswegen soll der sich nicht in seine Wahlplakate einmischen.

Jetzt ist meine politische Einstellung sonnenklar. Ich bin dafür, dass sich alle einmischen, ob sie nun Exil-Juden sind oder Oahoamische, Ostasiaten oder Westdeutsche, Arier oder Hawaiianer mit Kansas-Kenianischem Migrationshintergrund.

Mir geht es nur um ein Wort. Dieses Wort brachten Sie persönlich in die Diskussion, ich glaub im Standard, oder sonst wo. Sie sagten, und ich glaube, ich erinnere mich wörtlich daran:“Dieser Sager ist ganz eindeutig Antisemitismus.“

Zack. Antisemitismus. Antisemitismus. Was soll das sein? Was, um Gottes Christi Himmels Willen, soll Anti-Semitismus sein? Jetzt weiß ich natürlich, dass es seit mindestens hundert, wenn nicht tausend Jahren (und in Wahrheit werden es wohl mehr als drei Jahrtausende sein), ganz wichtige und präzise Abhandlungen zu diesem Terminus gibt. Tausende Bücher sind ganz sicherlich über diesen Begriff geschrieben und Millionen Seiten gefüllt worden. Jeder Mensch scheint zu wissen, oder zumindest vorzugeben zu wissen, was dieser Antisemitismus ist. Also gut:

Wenn es Antisemitismus gibt, dann muss es auch Prosemitismus geben. (Interessanterweise unterstreicht mein Rechtschreibprogramm von Microsoft-Word dieses Wort „Prosemitismus“ jetzt – und jetzt schon wieder, während es das Wort Antisemitismus nicht unterstreicht. Aha. Sehr interessant. Bill Gates manipuliert die Welt. Dieser Jude!)

Also gut: Prosemitismus? Was soll das sein? Nicht mal das Rechtschreibprogramm von Bill Gates kennt das. Da sind anscheinend nicht so viele Bücher darüber geschrieben worden bisher. Um es kurz zu machen: Semiten sind Völker des vorderen Orients, soweit ich weiß. Semiten sind Juden, Araber, Palästinenser, Jordanier, Syrier und was weiß ich noch was alles. Also diese Völker, die aus dem Nahen Osten stammen, aus Babylon, Sumer, Assur und Jerusalem. Vielleicht auch aus Kairo, ich weiß es nicht. Also jedenfalls alle Menschen aus dieser umstrittenen Gegend.

Aber ich habe noch nie gehört, dass irgendein Palästinenser oder Jordanier oder Araber irgendeinem anderen Menschen „Antisemitismus“ vorgeworfen hat, wenn dieser ihm mit der Keule eins übergezogen hat. Nein. Der Vorwurf, und das ist es, ja, es ist ein Vorwurf, der Vorwurf des Antisemitismus kommt – soweit mir bekannt und in der öffentlichen Diskussion stattfindend – immer, immer, immer nur von Juden. Von Juden. Von Juden.

Von Juden. Damit sind wir beim Kern des Problems. Der so genannte Antisemitismus ist natürlich nur ein billiger Trick. In Wahrheit geht es um die Juden. Und um den Judenhass. Wenn wir öffentlich über unsere bescheidenen Nachfahren der arischen Herrenrasse diskutieren, dann sollten wir genau sein. Worum es hier geht, ist ganz einfach: Es geht um Judenhass.

Tja, lieber Ariel Muzicant. Das ist das Problem. In dieser Welt herrscht Judenhass. Zwar nur vereinzelt und versteckt, aber doch, und immer wieder. Vielleicht wirklich seit Abraham und Isaak. In dieser Welt herrscht Judenhass. Ich habe noch nie gehört, dass es Babylonierhass gäbe, oder Palästinenserhass, oder Türkenhass, oder Amerikanerhass oder Europäerhass oder Vorarlbergerhass. Nicht mal Christenhass oder Moslemhass oder Buddhistenhass. Nein.

Judenhass.

Lieber Ariel Muzicant, ich bin auf Ihrer Seite. Ich mag Sie und ich mag den Doron Rabinovici. Ich mag den Bruno Kreisky und den Barack Obama. Gerade heute habe ich mir wieder gedacht: „Wenn mich einer fragen würde, ob ich Jude bin, ich würd gar nicht wissen, was ich antworte.“

Ich weiß bis heute nicht, was das sein soll, ein Jude. „Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat.“ Das ist die offizielle Definition. Geht’s noch? „Christ ist, wer eine christliche Mutter hat.“ „Vorarlberger ist, wer eine Vorarlberger Mutter hat.“ „Araber ist, wer eine arabische Mutter hat.“ „Buddhist ist, wer eine buddhistische Mutter hat.“

Und Isaak? Hatte Isaak eine jüdische Mutter? Und Ismail nicht? Und Jakob? Warum ist Jakob Jude? War Isaaks Frau Jüdin? Warum? Was machte Isaaks Frau zur Jüdin? Isaaks Mutter war Jüdin, Ismails Mutter war es nicht.

Lieber Ariel Muzicant. Solange sich das Judentum auf so einem Scheissdreck begründet, solange dürfts euch mit dem Judenhass herumschlagen.

Jude ist, wer beschnitten ist. Viel Spaß damit.

Mit sehr lieben Grüßen, und von Herzen: Shalom!

Peter Wurm

Inglourious Basterds

21. August 2009

Best best best film ever. Lubitschs Weltrekord zertrümmert. Der größte Film aller Zeiten.

Das bedingungslose Grundeinkommen

19. August 2009

Lieber Josef Bucher,

nachdem ich heute Ihr Sommergespräch mit Ingrid Thurnher und Michael Köhlmeier verfolgt habe, in dem Sie mir grundsätzlich sympathisch erschienen, möchte ich einen wesentlichen Gedanken Ihres Politikverständnisses hinterfragen. Zum Thema der gerade verhandelten Grundsicherung meinten Sie, dies wäre der falsche Weg. Und Sie begründeten Ihre Ablehnung einer Grundsicherung damit, dass wir dadurch gegenüber konkurrierenden Volkswirtschaften wie Indien oder China unseren Wettbewerbsvorteil verlören und stattdessen Menschen zur Leistung motivieren sollten, anstatt sie für das Tun von Nichts zu bezahlen.

Da ich selbst ein überzeugter Anhänger nicht nur der Grundsicherung, sondern noch viel mehr eines bedingungslosen Grundeinkommens bin, möchte ich Ihren Standpunkt hinterfragen. Sie sprechen wie die meisten Menschen wie selbstverständlich vom Begriff „Leistung“. Was aber ist Leistung?

Leistung wird definiert als „Arbeit pro Zeiteinheit“. Einfach gesagt heißt das: Wer schneller arbeitet, leistet mehr. Wenn wir Menschen, so wie Sie es wünschen, zur Leistung erziehen wollen, dann müssen wir sie zu schnellerer Arbeit anspornen. Was aber ist Arbeit?

Arbeit wird definiert als „Kraft mal Weg“. Einfach gesagt heißt das: Wer viel Kraft aufwendet und dies ein gutes Stück durchhält, der arbeitet viel. Was aber ist das Ziel dieser Kraftanstrengung? Wofür arbeiten wir?

Die Antworten darauf lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:

1. Wir arbeiten für uns selbst.
2. Wir arbeiten für Andere.

Genau hier, bei der Beantwortung der Frage nach dem Ziel von Arbeit, teilt sich die Menschheit in zwei Hälften. Die Einen meinen, wir arbeiten, um unser Geld zu verdienen, die Anderen meinen, wir arbeiten, um für Andere etwas zu leisten. Und jetzt kommt der Clou: Beide Antworten sprechen für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Denn:

1. Wenn wir für uns selbst arbeiten, welchen Sinn hätte diese Arbeit dann für irgendjemand anderen?
2. Wenn wir für Andere arbeiten, warum sollten wir dann davon profitieren?

Wenn wir davon ausgehen, dass Arbeit als Kraftanstrengung einen Sinn machen soll – sei es in Österreich, Indien oder China – dann muss diese Arbeit selbstbestimmt und frei stattfinden. Selbstbestimmt und frei ist der Mensch jedoch nur dann, wenn er wählen kann, ohne sein Überleben (oder das seiner Familie) zu gefährden. Der Mensch muss seine Arbeit frei wählen können. Kann er das nicht, dann geschieht Ausbeutung.

Um diese Freiheit zu garantieren, haben wir das Überlebenseinkommen jedes Menschen von seiner Arbeitsleistung zu trennen. Denn nur so leistet der Mensch seine Arbeit aus freien Stücken. Nur so ist er in der Lage, seine Arbeit selbstbestimmt und frei in möglichst sinnvoller Weise zu verrichten. Und dabei ist es dann wieder völlig egal, ob er die Arbeit für sein eigenes Wohlbefinden oder für das Wohlbefinden Anderer leistet.

Wir haben das lebenswerte Überleben jedes Menschen bedingungslos zu ermöglichen, indem wir Arbeit vom Grundeinkommen entkoppeln. Erst dann wird Arbeitsleistung sinnvoll, weil sie selbstbestimmt und freiwillig geschieht. Alles Andere ist ein Rennen im Treibsand.

Wenn Sie jedoch weiterhin gegenteiliger Ansicht sind und fürchten, leistungsmäßig hinter Indien und China zurückzufallen, dann empfehle ich Ihnen, möglichst Kinder- und Sklavenarbeit wieder einzuführen. Dann liegen wir bestimmt wieder vorne. Die Frage ist nur: Wobei?

Ich bin daher garantiert für die „soziale Hängematte“; für alle Menschen; auf der ganzen Welt.

Mit lieben Grüßen

Peter Wurm