Frühling von zwei Seiten

11/Mai/2012

Heute war ein schwieriger Tag. Seit dem Aufstehen fühlte ich mich genötigt, mich für mein Leben rechtzufertigen. Was rechtfertigt mein Leben in dieser Welt? Mit welcher Berechtigung nehme ich Anderen etwas weg, Platz und Luft zum Atmen? Wenn ich das Gerede von Überbevölkerung und ökologischem Fußabdruck ernst nehme, dann muss ich mich fragen, was mich überhaupt berechtigt, hier zu leben. Das Einzige, was ich erzeuge, ist CO2. Und dafür nehme ich pro Tag ein paar Tausend Kalorien zu mir. So gesehen ist die Bilanz eines Menschenlebens vernichtend. Politisch korrekt lässt es sich auf dieser Welt überhaupt nicht leben. Wer in diesem Sinne durch die Welt wandert, der muss sich eingestehen, dass in dieser Hinsicht der Suizid letztendlich die einzige Lösung darstellt.

So kann kein Mensch leben. “Die Würde des Menschen ist unantastbar” heißt es in Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Was immer das auch heißen mag, es gibt mir ein gutes Gefühl, ein Mensch zu sein. In Österreich finde ich keine solche rechtliche Grundlage. Dafür gibt es in den Verfassungen von Ecuador und Bolivien das Ziel des “buen vivir”. Wäre ich wieder einmal in Ecuador, dann hätte ich das Recht auf ein “gutes Leben”.

Warum haben wir nicht eine solche Verfassung? Warum einigen wir uns nicht auf das Ziel eines “guten Lebens”? Warum hat bei uns das Streben nach Profit solch eine Bedeutung? Hier darf nur leben, wer etwas “leistet”. Kein Mensch jedoch ist in der Lage, den Begriff “Leistung” auch zu definieren. Kraft mal Weg durch Zeiteinheit. Wen interessiert diese banale Wahrheit? Im Grunde geht es nur ums Geld. Und darum streben bei uns Krethi und Plethi danach, viel Geld zu verdienen und finanziell reich zu werden. Und darum leben auf der anderen Seite so viele Menschen in Armut. Aber es ist genug für Alle da. In diesem Bewusstsein könnten wir uns vielleicht auf ein “buen vivir” einigen. Was aber ist ein “gutes Leben”?

Wu Wei. Handeln im Nichthandeln. Tun im Nichttun, in der absichtslosen Absicht. Und so machte ich mich daran, ein Bild zu malen, das ich nun schon seit zwei Tagen in mir trage. Seit gut zwei Monaten schon hat der Frühling hier Einzug gehalten. Und das gefällt mir.

Frühling von zwei Seiten
(Acryl auf Leinwand, 80x60cm, 10.05.2012)

Frühling von zwei  Seiten

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5 Antworten to “Frühling von zwei Seiten”

  1. bjuelis Says:

    ….gelb sehr schoen kraeftig, aber gruen sehe ich ueberhaupt nicht, hoechstens oliven-gruen…
    aber im fruehling schon wieder an den tod denken?
    NICHT DOCH!
    VIELMEHR: TIEF EINATMEN UND “GENIESSEN” (ausnahmen bestaetigen die regel….!)
    von der erwachenden, nach dem himmel strebenden natur!
    … gibt es darum so wenig blaue blumen…?
    Was kan wuerdiger sein als die Natur,…. auch der Menschen….?!


  2. licht im dunkel so kommt der himmel in die natur so wie im himmel so auf erden und in der vereinigung als REIN (weiß) zu erkennen


  3. wir müssen uns das system anschauen, was dahinter versteckt ist, wenn wir uns perfekter sehen wollen, als wir sind, zerstören wir uns oder andere. nur wer die fehler zulassen kann bleibt im augenblick diese geschichte vom schneemann und der perfekten welt zeigt das deutlich: http://www.physik.as/
    Seit nahezu ewigen Zeiten
    spielen wir mit uns das selbe Spiel.
    Und wir fallen immer wieder darauf herein.

    Wir als Menschen, unsere Vorgänger
    und die Vorgänger der Vorgänger
    und deren ihre Vorgänger. . .


  4. und die erstarrte lebendigkeit ermuntert uns zu verstellungen und erwartungen, was jedoch immer wieder durch lebendigkeit erlöst wird, tun im nicht tun, ist der augenblick der lebendigkeit was die zwei nicht kennt.

  5. bjuelis Says:

    ….alles ganz gut und schoen, ich ‘muss’ jetzt an die Arbeit…auch ist Muttertag, so wie mich meine Juengste telef. erinnerte und gratulierte und einen schoenen Tag wuenschte…und schade fand, dass ich nicht mit nach Amersfort in den Zoo kam. (sie erzaehlte u.a. dass es eine schoene Woche war, mit Konzert und Koeniglicher Begegnungen.
    Also nuechtern bleiben, liebe Menschen! und von wegen: “wer frei ist, erwartet nichts…”? wuensche darf man doch haben, oder? Voll Erwartung klopft das Herz… wo habe ich das doch schon mal gehoert?…. gilt das nur fuer die Herzen der Kleinen noch…?! Vielleicht ist ein Leben zu kurz um gross zu werden..? Liebe Grusse, Euch allen! J-E.


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