Archiv für 23. Juli 2008

Riegers Vorzugsstimme

23. Juli 2008

Eigentlich wollte ich diesen Blogeintrag über Al Gore schreiben. Ich schreibe ihn auch über Al Gore, weil ich damit hoffe, auf Dich zu antworten. Als ich heute nochmals seine Washingtoner Rede vom Donnerstag nachlas, stiess ich wiederum auf jenen Doppelsatz, der mich schon beim ersten Zuhören wahrlich elektrisiert hat. Ich stelle ihn hier ganz unkommentiert hinein:

„We are borrowing money from China to buy oil from the Persian Gulf to burn it in ways that destroy the planet. Every bit of that’s got to change.“

Das ist einer jener Fälle, wo ich mich hinknien möchte vor demütiger Begeisterung. Du kennst mich gut genug, um zu wissen, dass das hie und da geschieht, zum Beispiel, wenn Carlos Kleiber den „Rosenkavalier“ dirigiert in der Staatsoper im Winter 1994 oder ich das erste mal Feigensenf zur Käseplatte probiere in der Schleifmühlgasse vor zwei Jahren.

Albert Gore Junior gelingt es damit, die globale Herausforderung am Beginn des 21. Jahrhunderts in einem einzigen Gedanken gültig zusammenzufassen. Zack. Here we are. Dieser Satz schafft ein für alle mal gültige Wahrheit, ja mehr noch: Wirklichkeit. Das ist ja wirklich wahr.

Niemand kann ab heute mehr hinter diesen Gedanken zurück. Und selbstverständlich ist es notwendig, dass dieser Gedanke von Herrn Albert Gore Junior ausgesprochen wird, „who used to be the next president of the United States.“ Selbstverständlich ist es notwendig, dass er in den Jahrzehnten davor Politikkarriere gemacht hat, bis ins Weisse Haus und darüber hinaus.

Daher kandidiere ich diesmal für die Grünen bei der Nationalratswahl. Warum dirigiert Carlos Kleiber den „Rosenkavalier“? Warum beginnt Maria Montessori vor hundert Jahren, mit Kindern zu arbeiten? Warum setzt sich Albert Einstein irgendwann mit den Experimenten von James Clerk Maxwell auseinander? Und warum hält Albert Gore am Donnerstag diese Rede?

Manchmal spüren wir Menschen, dass es passt. Da müssen wir diejenigen Dinge tun, die wir tun wollen. Und so will ich diesmal für die Grünen kandidieren. Und weil ich spüre, dass es passt, tue ich es dann auch. Worum es mir dabei grundsätzlich geht, habe ich in meiner Kandidatur formuliert: Kandidatur 2008. Dieser Text ist mein erstes Programm. Da steht drinnen, was mir politisch wichtig ist.

Ich bin ein Staubkorn im Universum. Und gerade deswegen freue ich mich, wenn Du mich wählst.

Lieblingsfarbe: Grün

23. Juli 2008

Vorgestern erhielt ich ein Mail, in dem für den nächsten Tag eine historische Rede meines Helden Al Gore angekündigt wurde. Heute früh sah ich diese Rede auf wecansolveit.org und las mittags einen Artikel darüber in der New York Times. Al Gore spricht darin über das dreifache Problem der USA – Sicherheit, Wirtschaft und Umwelt – und die einfache Lösung: Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen innerhalb der nächsten zehn Jahre und Umstieg auf erneuerbare Energie.

Gestern fand ich einen Brief der Grünen in meinem Postkasten. Darin enthalten war eine Einladung. Heute Vormittag, auf dem Weg zur Arbeit, beschloss ich, diese Einladung anzunehmen. Ich kandidiere für die Grünen bei der Nationalratswahl 2008.

Kandidatur 2008

Lieber Armin Thurnher,

23. Juli 2008

Ihre Analyse zum Fall Gusenbauer ärgert mich. Sie präsentieren Alfred Gusenbauer als Opfer. Das passt zwar gut in die kollektive Symptomatik dieses Landes, entschuldigt aber nicht die Handlungsunfähigkeit. „Die Wege entstehen im Gehen“ zitieren Sie beide gemeinsam, daher ist der Stillstand unter diesem Regierungschef auch so unerträglich geworden. Alfred Gusenbauer wollte um jeden Preis Bundeskanzler sein. Letztendlich war niemand mehr bereit, diesen Preis zu bezahlen. Ich atme auf.

Armin Thurnher: Gusenbauers Glück und Ende

Es reicht

23. Juli 2008

Mit diesen zwei Worten hat der österreichische Vizekanzler Teil eins meines Wunsches erfüllt und das Ende der „Wurstel-Truppe“ (Spiegel-Online) besiegelt. Da er sich aber dem zweiten Teil meines Begehrens verweigerte und sich selbst zum Spitzenkandidaten der ÖVP aufstellen ließ, stehe ich gemeinsam mit allen politischen Beobachtern dieses Landes vor dem Grauen des „more of the same“. Was, bitteschön, soll sich durch Neuwahlen ändern?

Die Charakteristik der österreichischen Parteienlandschaft beinhaltet die Berührungsängste mit dem rechten Rand: Wer legt sich gerne mit einem Partner mit Mundgeruch und Achselschweiss ins Bett? Und so scheint die weitere Paralyse des politischen Systems unausweichlich. Realistische Chancen einer neuen Zusammenarbeit hat wiederum nur die so genannte große Koalition. Die einzige Möglichkeit, diesen Schrecken zu überwinden, liegt im Erstarken der Grünen. Wer auf einen kreativen und konstruktiven Wechsel in der österreichischen Politik hofft, der muss zwangsläufig die Grünen unterstützen – und sie auch wählen. Denn nur so kann die katastrophale Alternative Stillstand oder Niedertracht durchbrochen werden.

Um das zu ermöglichen, müssen sich aber auch die Grünen ändern und endlich Richtung Mitte wandern. Mit dem permanenten Einsetzen für lesbische alleinerziehende Radfahrer mit Hanfplantage und Migrationshintergrund ist auf Dauer kein Staat zu machen. Minderheitenschutz ist edel und notwendig, hat jedoch nur einen Sinn, wenn ich damit die Mehrheit anspreche. Die Grünen müssen endlich kommunizieren, dass sie sich nicht nur für die Umwelt, sondern vor allem für die Menschen einsetzen. Nichts anderes verlangt Politik.

Fundi? Realo?

Normalo.

Es reicht.

Warum ich Europäer bin

23. Juli 2008

Im September 1991 bin ich nach einem halben Jahr als Entwicklungshelfer in Ecuador auf der Aussichtsplattform des Flughafens von Guayaquil gestanden und sah die KLM-Maschine anrollen, die mich eineinhalb Stunden später in Richtung meiner Heimat mitnehmen sollte. Die hatte ganz oben auf ihrem Leitwerk zwei kleine Flaggensymbole aufgeklebt: Eines Rot-Weiss-Blau gestreift und ein zweites in Blau mit gelben Sternen. Und da wusste ich: Da gehöre ich hin.

Hero der Woche

23. Juli 2008

Nach den Herren Gusenbauer und Faymann hat nun auch ein weiteres Regierungsmitglied dem Herausgeber der Neuen Kronen Zeitung einen Brief geschrieben. Doch im Unterschied zu dem unsäglichen und unerträglichen Vorgehen der neuen SPÖ-Spitze schafft es Ursula Plassnik, diese Herausforderung mit Anstand, Selbstachtung, Wertschätzung und Respekt zu meistern. Während ich es bezüglich der SP-Führung mit Franz Vranitzky halte („das ist vielleicht auch die Erklärung für die Doppelspitze, weil einem allein ein so kapitaler Missgriff gar nicht gelungen wäre.“), freue ich mich über die vielen positiven Reaktionen auf die Stellungnahme der Außenministerin. So natürlich auch im dieswöchigen Falter, der dafür endlich wieder einmal einen „Hero der Woche“ vergibt.

Traurig finde ich nur, dass der Falter zwei Seiten später darüber als „verdienstvollen, aber strategisch zweifelhaften Mut zum Unpopulären“ schreibt und wie jeder scheinbar realistische Beobachter solch eine Haltung als politisches Harakiri einstuft . Ich kann und will nicht glauben, dass der Mut zum aufrechten Gang strategisch zweifelhaft wäre und das Wahlvolk überfordert. Und so habe ich heute einen unrealistischen Wunsch:

Ich wünsche mir, dass die ÖVP unter ihrem Vorsitzenden am Montag die perpetuierte Paralyse dieser Regierung für beendet erklärt und mit Ursula Plassnik als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zieht. Und dann haben wir uns zu entscheiden: Kurzfristig taktisches populistisches Kalkül gegen langfristig strategische politische Überzeugungen. Ich weiss inzwischen, dass meine Vorlieben dem Mainstream meist krass widersprechen, doch wenn es nach mir geht, dann haben wir im Herbst Rot-Blau. In der Opposition.

Der Plassnik-Brief im Wortlaut

Der Fußballgott

23. Juli 2008

Es gibt ihn doch! Der Gottesbeweis wurde bei der EURO 08 meinem Glaubensbekenntnis nach insbesondere erbracht durch:

  • die drei eindeutigen Niederlagen Griechenlands,
  • den von Ivo Vastic verwandelten Elfmeter gegen Polen,
  • Gianluigi Buffons Elferparade gegen Adrian Mutu,
  • den bedeutungslosen Abschiedssieg der Schweizer für Köbi Kuhn,
  • den Aufstieg Hollands und Italiens aus der Todesgruppe C,
  • die dreifache Aufholjagd der Türken,
  • das Ausscheiden Italiens im Viertelfinale,
  • meine vier Halbfinalkarten und letztlich durch
  • „il trionfo della tecnica sul calcio muscolare dei tedeschi“, wie die Gazzetta schreibt.

Die spanische Inquisition hätte ihre Freude gehabt.

Willkommen!

23. Juli 2008

Herzlich willkommen auf meinem wordpress-Blog. Jetzt geht’s los!